Die Welt ist weniger friedlich geworden. Zu diesem Schluss kommt der jährlich veröffentlichte Global Peace Index (GPI). Im vergangenen Jahr habe sich die Friedenslage in 91 Ländern der insgesamt 163 Länder, die für den Index (PDF) untersucht worden waren, verschlechtert. In 71 Ländern sei die Lage friedlicher geworden. 

Insgesamt stieg die Zahl der Menschen, die in Konflikten getötet wurden, laut GPI im Zeitraum von 2006 bis 2016 um 264 Prozent. Und auch die Zahl der Geflüchteten nahm zu: Erstmals in der Geschichte der Neuzeit machten Flüchtlinge laut GPI ein Prozent der Weltbevölkerung aus.  

Der Bericht zeigt auch, dass Frieden einen großen Effekt auf die Wirtschaft hat: In den Ländern, in denen sich die Friedenslage verbessert habe, sei das Bruttoinlandsprodukt siebenmal schneller gewachsen als das der Staaten, deren Friedensniveau sich verschlechtert habe, heißt es in der Erhebung. Die Ausgaben für Militär seien, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, überwiegend zurückgegangen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt und Krieg lassen sich der Studie zufolge weltweit bemessen: 2017 habe der Unfrieden rund 14,8 Billionen US-Dollar gekostet. Das entspreche einem Achtel des globalen Bruttoinlandsprodukts. Auch die Inflations- und Zinsrate liege in weniger friedlichen Staaten deutlich höher.

Europa bleibt die friedlichste Region

Auch in Europa und Nordamerika habe sich die Situation verschlechtert, schreiben die Autorinnen und Autoren der Studie. 23 von 36 Ländern Europas seien 2017 weniger friedlich geworden, am stärksten sei das Friedensniveau in Spanien gesunken. Trotzdem sei Europa nach wie vor die friedlichste Region der Welt. Große Verbesserungen zeigt die Erhebung vor allem südlich der Sahara auf. 

Der Index vergleicht auch die Lage einzelner Staaten: Die friedlichsten Länder der Erde sind demnach Island, Neuseeland, Österreich, Portugal und Dänemark. Auf den letzten Plätzen liegen Somalia, Irak, Südsudan, Afghanistan und, auf Rang 163 von 163, Syrien.  

Den Global Peace Index erhebt das Institute for Economics and Peace, ein australischer Thinktank. Die 163 untersuchten Länder umfassen 99,7 Prozent der Weltbevölkerung. Die Friedlichkeit wird anhand von 23 Indikatoren aus drei Schlüsselbereichen gemessen: "andauernde Konflikte", "Sicherheit und Schutz" und "Militarisierung". Zur anhaltenden Verschlechterung der Friedenslage tragen dem Index zufolge vor allem die Eskalationen zwischenstaatlicher und interner bewaffneter Konflikte, der wachsende Terrorismus und ein vermindertes Engagement für UN-Friedensmissionen bei.