Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi und der nationalistische schiitische Prediger Moktada al-Sadr sind ein Bündnis eingegangen. Nach dreistündigen Gesprächen in der Stadt Nadschaf veröffentlichten sie eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihren Willen zu einer zügigen Regierungsbildung bekundeten.

Schwierigste Frage bleibt das Amt des Ministerpräsidenten. Al-Abadi würde das Amt gerne behalten. Seine Liste wurde bei der Parlamentswahl am 12. Mai jedoch nur drittstärkste Kraft. Das Al-Sadrs-Bündnis Marsch für Reformen war stärkste Kraft bei den Wahlen geworden, ist aber zur Bildung einer Regierung auf Koalitionspartner angewiesen.

Al-Sadr schloss nach der Abstimmung bereits mit der zweitplatzierten Liste des früheren schiitischen Milizenführers Hadi al-Amiri ein Bündnis. Dieser hat enge Kontakte zum schiitischen Nachbarn Iran. Al-Abadi erklärte dazu, die neue Koalition stehe nicht in Widerspruch zu anderen Koalitionen. 

Al-Sadr selbst könnte einer neuen Regierung nicht vorstehen, weil er persönlich nicht bei der Wahl antrat. Er könnte allerdings maßgeblich Einfluss auf die Besetzung des Spitzenpostens nehmen. Al-Sadr, der im Aufstand gegen amerikanische Streitkräfte eine Miliz anführte, hatte den Wählern im Falle eines Sieges versprochen, eine technokratische Regierung zu bilden – abseits religiös beeinflusster Bündnisse.

Überschattet wird die Regierungsbildung im Irak von Vorwürfen, bei der Wahl habe es Unregelmäßigkeiten und Fälschungen gegeben. Al-Abadi selbst sprach von "gefährlichen Verstößen". Iraks oberstes Gericht hatte in dieser Woche den Beschluss des noch amtierenden alten Parlaments abgesegnet, dass alle Stimmen nachgezählt werden müssen.