US-Präsident Donald Trump hat den G7-Gipfel in Kanada wie angekündigt vorzeitig verlassen. "Wir haben den Gipfel abgeschlossen", sagte Trump vor seiner Abreise aus dem Städtchen La Malbaie in der Provinz Québec. Zuvor bekräftigte er seine Position im Handelsstreit insbesondere mit den Europäern. Die USA seien seit Jahrzehnten benachteiligt worden und würden das nicht mehr hinnehmen, so Trump.

Der Gipfel sei nicht kontrovers gewesen, sagte der US-Präsident weiter. Die Beziehungen zwischen den Staaten seien sehr gut. Er habe mit den anderen Staats- und Regierungschefs über seine Handelspolitik gesprochen und die Abschaffung von Zöllen, Handelsschranken oder Subventionen gefordert. Das Beste wäre, wenn es überhaupt keine Zölle gäbe, sagte Trump. Mit Blick auf die von den USA verhängten Importzölle auf bestimmte Produkte warnte Trump die anderen Nationen: "Wenn sie Vergeltung üben, machen sie einen Fehler."

Trump ist nun auf den Weg nach Singapur, wo er am Dienstag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zusammentreffen soll.

Trumps Vorschlag: Zurück zu G8

Das zweitägige Treffen der Staats- und Regierungschefs der großen Industrienationen hatte am Freitag begonnen. Es war von Beginn an überschattet von Differenzen der Europäer mit Trump. Insbesondere geht es um die US-amerikanischen Importzölle, Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzvertrag sowie dem Atomabkommen mit Iran.

Trumps überraschendem Vorstoß, Russland wieder in den Kreis der G7 aufzunehmen, erteilten die Gipfelteilnehmer eine Absage. Einzig Italien signalisierte vorsichtige Zustimmung. Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte, sein Land fordere keine Aufhebung der Russland-Sanktionen "über Nacht", er hoffe aber darauf, dass es so bald wie möglich wieder G8-Treffen mit Russland geben werde. Russland war nach der Annexion der Krim 2014 aus der Gruppe ausgeschlossen worden.

Russland reagierte zurückhaltend auf die Idee, in den Kreis der sieben großen Industrienationen zurückzukehren. Außenminister Sergej Lawrow sagte, sein Land habe niemanden darum gebeten, wieder zur G7 stoßen zu dürfen. Russland arbeite "gut in anderen Formaten" wie etwa innerhalb der G20 der Industrie- und Schwellenländer. Dort "funktionieren Ultimaten nicht, dort muss man Einigungen erzielen", so Lawrow. Dies sei seiner Ansicht nach "das vielversprechendste Format für die Zukunft".

Merkel: Meinungsverschiedenheiten benennen

Bislang ist es in Kanada nicht gelungen, eine gemeinsame Abschlusserklärung der Gipfelteilnehmer zu erarbeiten. Im Laufe des Samstags verlautete jedoch aus der französischen Delegation, ein gemeinsames Kommuniqué sei "sehr wahrscheinlich", die diesbezüglichen Gespräche seien "auf einem guten Weg". Später sagte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sie rechne nach menschlichem Ermessen damit, dass ein offizielles Abschlusskommuniqué verabschiedet werde. Man wolle als G7 ein Bekenntnis zu regelbasiertem Handel, aber auch eine Reform der Welthandelsorganisation, sagte die Kanzlerin. Beim Thema Iran bestünden die Differenzen weiter, es gebe aber die gemeinsame Sorge über das Raketenprogramm des Landes.

Bereits am Vortag hatte Merkel gesagt, eine fehlende Erklärung wäre aus ihrer Sicht nicht das Ende des Clubs der wichtigsten westlichen Industrieländer. "Es ist ehrlicher, Meinungsverschiedenheiten zu benennen und an ihrer Überwindung weiter mitzuarbeiten, als jetzt zu tun, als ob alles in Ordnung wäre", sagte die Kanzlerin nach der ersten Arbeitssitzung. Mit Blick auf die Themen Handel und Klima sagte sie: "Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass wir hinter die Vereinbarung, die wir im vergangenen Jahr getroffen haben, nicht zurückfallen."

Derweil wurde bekannt, dass die G7-Staaten den Zugang von Mädchen in Krisenregionen zu Bildung für drei Jahre mit 2,5 Milliarden Euro fördern wollen. Damit sagten die Staaten deutlich mehr Geld zu als erwartet. Kanada sowie einige Hilfsorganisationen hatten 1,1 Milliarden Euro gefordert. Mit dem Geld sollen bestehende Organisationen unterstützt werden, die Zugang von Mädchen zu Bildung ermöglichen. Weltweit können heute 75 Millionen Kinder in 35 Ländern nicht zur Schule gehen.