In Katalonien ist eine neue Regionalregierung vereidigt worden, die sich sofort zur Unabhängigkeit von Spanien bekannt hat. Das Ziel sei "ein unabhängiger Staat in Form einer Republik", teilte der neue Regierungschef Quim Torra nach der Zeremonie mit. Er rief die Zentralregierung in Madrid zu Gesprächen auf. "Wir müssen uns an einen Tisch setzen und von Regierung zu Regierung verhandeln."

Torras 13 Minister, einige von ihnen in Gelb, der Farbe der Unabhängigkeitsbefürworter, gekleidet, leisteten den Amtseid in einer symbolbeladenen Zeremonie. Torra selbst war bereits im Mai vereidigt worden.

Die spanische Zentralregierung hatte am Freitag die überarbeitete Kabinettsliste Torras im Amtsblatt veröffentlicht und damit den Weg für den Amtsantritt frei gemacht. Eine erste Kabinettsliste hatte die Regierung in Madrid unter dem am Freitag vom spanischen Parlament abgewählten Ministerpräsidenten Mariano Rajoy wegen vier umstrittener Minister abgelehnt.

Torra war Mitte Mai mit knapper Mehrheit zum neuen katalanischen Regionalpräsidenten gewählt worden. Mit seinem Amtsantritt endet die sieben Monate dauernde Zwangsverwaltung durch die Zentralregierung in Madrid.

Pedro Sánchez in Madrid vereidigt

Auch der neue Regierungschef Spaniens, Pedro Sánchez, wurde vereidigt. Der Sozialist hat sich in der Katalonien-Frage gesprächsbereit gezeigt, lehnt jedoch ein Referendum über die Unabhängigkeit ab. Sánchez kündigte an, zur neuen Führung in Barcelona "Brücken bauen" zu wollen. Seine Regierung wolle, dass Katalonien "in Spanien bleibt und wir den Katalanen zuhören".

Torra folgt auf Carles Puigdemont, der im Oktober die Unabhängigkeit Kataloniens ausgerufen hatte. Anschließend war Puigdemont vor den Ermittlungen der spanischen Justiz nach Belgien geflohen, während die Regierung die direkte Kontrolle über die Region übernahm. Kurz vor Ostern wurde er auf der Durchreise in Schleswig-Holstein aufgrund eines von Spanien gestellten europäischen Haftbefehls festgenommen.

In Deutschland wartet Puigdemont auf eine Entscheidung über ein spanisches Auslieferungsbegehren. Am Freitag hat die Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein die Auslieferung an Spanien beantragt. Das Oberlandesgericht muss noch über den Antrag entscheiden.