Im Streit um das Vorgehen der US-Regierung an der Grenze zu Mexiko, wo Einwandererkinder von ihren Eltern getrennt werden, hat Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen die Maßnahmen zur Abschreckung weiterer illegaler Einwanderer verteidigt. "Wir werden uns nicht dafür entschuldigen, dass wir unsere Arbeit tun", sagte sie während einer Rede vor der National Sheriff's Association in New Orleans. Ihre Regierung habe eine einfache Botschaft: Wer illegal in die USA kommen will, werde zur Rechenschaft gezogen.

Anfang Mai hatte Justizminister Jeff Sessions eine "Null-Toleranz"-Politik an der Grenze zu Mexiko angekündigt. Im Zuge dessen werden systematisch alle Menschen, die illegal die Grenze überqueren, als Gesetzesbrecher behandelt und festgenommen. Da Kinder nicht mit ihren Eltern inhaftiert werden dürfen, werden die Familien auseinandergerissen. Viele Kinder werden nach Angaben demokratischer Abgeordneter in umzäunten Auffanglagern in der Nähe der Grenze festgehalten, die als "Käfige" beschrieben wurden.

"Die Kinder werden gut behandelt"

Diese Vorwürfe wies Nielsen bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus zurück. Die Kinder würden nicht unmenschlich behandelt, sagte sie. Es werde sich gut um sie gekümmert und die Standards für entsprechende Einrichtungen seien hoch. Die Ministerin sagte, dass im Süden der USA durch jahrelange Misswirtschaft "eine offene Grenze" entstanden sei. Seit Jahren gebe es dort Schlupflöcher. Dies müsse ein Ende haben.

Fragen nach zuletzt veröffentlichte Tonaufnahmen mit Stimmen weinender Kinder, die von ihren Familien getrennt worden seien, blockte Nielsen ab. Diese Aufnahmen habe sie nicht gehört.

Mehrere Medien hatten über die Mitschnitte berichtet. Zu hören sind spanischsprachige Kinder, die nach ihren Eltern schreien. Ein Kind weinte und rief "Papa! Papa!". Die auf Menschenrechte spezialisierte Anwältin Jennifer Harbury sagte der investigativen Nachrichtenseite ProPublica, sie habe das Band von einem Whistleblower bekommen. Es sei in der vergangenen Woche aufgenommen worden. Den genauen Ort nannte sie nicht.

Republikaner stellen sich gegen Trump

Nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums trennte der Grenzschutz innerhalb der vergangenen fünf Wochen mehr als 2.300 Migrantenkinder von ihren Eltern. Betroffen sind damit im Schnitt mehr als 66 Kinder pro Tag. In der vergangenen Woche hatte das Ministerium angegeben, dass in dem längeren Zeitraum vom 19. April bis zum 31. Mai insgesamt 1.995 Kinder von ihren Eltern getrennt worden seien – das entspricht etwa 47 Kindern pro Tag.

Kirchenvertreter und Politiker beider Lager bezeichneten die Trennungen als unmenschlich. Der republikanische Senator Ted Cruz aus Texas will ein Sondergesetz auf den Weg bringen, um Migrantenfamilien zusammenzuhalten. Die Amerikaner seien schockiert, sagte er. Sein Parteikollege Charlie Baker, Gouverneur von Massachusetts, nannte das Vorgehen "brutal und unmenschlich". Er machte die Entscheidung rückgängig, einen Hubschrauber der Nationalgarde aus seinem US-Staat an die mexikanische Grenze zu schicken. Dieser sollte dort die Arbeit der Grenzschutzbehörden unterstützen.

Mehrheit der Amerikaner empört

Zuletzt hatten neben den früheren First Ladys Hillary Clinton, Laura Bush und Michelle Obama auch Trumps Ehefrau Melania die Trennung der Familien kritisiert – genau wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. "Solche Praktiken dienen niemandem, am allerwenigsten den Kindern, die am meisten unter den Auswirkungen zu leiden haben", sagte die Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Kinder hätten ein Recht auf Schutz und das Zusammenleben mit ihren Eltern wie alle anderen Kinder auch. Ihre erzwungene Trennung sei eine traumatische Erfahrung für die Betroffenen und gefährde langfristig deren Entwicklung.

Auch innerhalb der Bevölkerung findet das Vorgehen der Regierung wenig Rückhalt. Laut einer Umfrage des TV-Senders CBS halten es 67 Prozent der befragten US-Amerikaner für "inakzeptabel". Auch 39 Prozent von Trumps Wählern sind gegen diese Maßnahmen. Vor allem jüngere und moderate Republikaner gaben an, Familien zu trennen sei inakzeptabel. Bei den Demokraten sagen dies 90 Prozent. Trumps Einwanderungspolitik insgesamt findet nur noch bei 35 Prozent der Befragten Zustimmung. Im Mai waren es noch 40 Prozent gewesen.

Der US-Präsident verteidigte seine Einwanderungspolitik: die Vereinigten Staaten würden unter seinem Kommando nicht zu einem "Migrantencamp" werden. Kinder würden "von einigen der schlimmsten Verbrecher auf der Erde" als Mittel benutzt, um über die Südgrenze in die USA zu kommen, twitterte er. "Hat jemand mal auf die Verbrechen geschaut, die südlich der Grenze passieren?" Das habe historische Ausmaße erreicht, einige der südamerikanischen Staaten seien die gefährlichsten Orte in der Welt. "Das wird nicht in den USA geschehen", schrieb er.

Letztlich sei alles Schuld der Demokraten, twitterte Trump weiter. Die sollten endlich im Kongress einer Verschärfung des Einwanderungsrechts zustimmen und aufhören, "schwach und ineffektiv" zu sein. Tatsächlich hat Trumps eigene Partei in beiden Häusern des Kongresses die Mehrheit.