Nach wochenlangen Kämpfen hat der mächtige libysche General Chalifa Haftar die "Befreiung" der Hafenstadt Derna aus den Händen der Terrormiliz "Islamischer Staat" verkündet. Bis dahin war Derna die einzige Stadt im Osten Libyens gewesen, die sich noch der Kontrolle von Haftars selbsternannter Nationaler Libyscher Armee (NLA) entzogen hatte.

Die Anfang Mai begonnene Offensive sei erfolgreich zu Ende gegangen, sagte der General in einer Fernsehansprache. Er hatte die Militäroperation mit dem Schutz der Zivilbevölkerung in der 125.000-Einwohner-Stadt begründet. Doch Haftar wird keineswegs von allen als der Held und Befreier gesehen, als der er sich gibt. Seine Gegner werfen ihm vor, eine Militärdiktatur in Libyen errichten zu wollen.

Haftars Truppen kontrollieren außer dem Osten auch größere Gebiete im Zentrum Libyens. In der vergangenen Woche hatte die NLA die Einnahme der für das Geschäft mit dem Ausland wichtigen Erdölanlagen in Ras Lanuf und Al-Sidra verkündet. Die Erlöse sollen laut Haftar an die von ihm unterstützte Gegenregierung im Osten fließen. Die USA und ihre Verbündeten hatten am Mittwoch gefordert, dass die Ölanlagen wieder unter die Kontrolle der international unterstützten Regierung der nationalen Einheit unter Fajis al-Sarradsch in Tripolis gebracht werden müssten.

Seit dem Sturz von Libyens langjährigem Machthaber Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Bürgerkrieg in dem nordafrikanischen Land. Drei verschiedene Regierungen und unzählige Milizen kämpfen in dem ölreichen nordafrikanischen Land um die Kontrolle. Das Land ist der wichtigste Ausgangspunkt für Flüchtlinge, die versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.