Der italienische Innenminister Matteo Salvini will die Angehörigen der Roma-Minderheit in Italien zählen lassen. Salvini, Chef der fremdenfeindlichen Lega, sagte einem regionalen Fernsehsender, er habe das Ministerium aufgefordert, "ein Dossier zur Roma-Frage in Italien" anzufertigen. Eine Volkszählung ermögliche die Ausweisung von Ausländern ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Roma mit italienischer Staatsangehörigkeit müsse das Land "leider behalten", sagte der Vizeregierungschef. Die derzeitige Situation der Volksgruppe nannte er chaotisch.

Die Forderung Salvinis löste Empörung bei vielen Menschen aus. Die nationale Roma-Vereinigung erinnerte daraufhin an eine Zählung der Minderheit durch Behörden aus dem vergangenen Jahr und forderte ein baldiges Treffen mit dem Innenminister. In Italien leben rund 170.000 Roma und Sinti, von denen die Mehrzahl einen festen Wohnsitz und einen regulären Arbeitsplatz hat.

Die Idee der Volkszählung einer Minderheit erinnert viele Menschen an die NS-Verfolgungen in Deutschland, bei denen Sinti und Roma getötet wurden. Auch viele Politiker der italienischen Mitte-links-Parteien zeigten sich verärgert. Sie warnten, Italien blicke auf eine furchtbare Geschichte zurück, in der es in der Zeit des Faschismus Juden gezählt habe. "Der Innenminister scheint nicht zu wissen, dass in Italien eine Zählung auf Basis einer Ethnie nicht erlaubt ist", sagte Ansa Carlo Stasolla, Präsident der Vereinigung Associazione 21 Luglio, die sich für die Rechte der Sinti und Roma einsetzt.

Die Behörden räumen immer wieder illegale Lager der Roma in den Außenbezirken großer Städte. Italiens Innenminister stand in der vergangenen Woche bereits international im Fokus, als er die mehr als 600 Flüchtlinge auf dem Hilfsschiff Aquarius abwies und ankündigte, private Rettungsschiffe nicht mehr in italienische Häfen zu lassen.