Ein Moskauer Gericht hat den ukrainischen Journalisten Roman Suschtschenko wegen Spionage zu zwölf Jahren Lagerhaft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Gefängnis für den Angeklagten gefordert, wie russische Medien meldeten. Suschtschenko bestreitet jegliche Schuld und kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Der ehemalige Mitarbeiter der staatlichen ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform war im Oktober 2016 auf einer privaten Reise nach Russland festgenommen worden. Der russische Inlandsgeheimdienst warf dem heute 49-jährigen Frankreich-Korrespondenten vor, nur zur Tarnung für die Nachrichtenagentur zu arbeiten. Eigentlich gehöre er dem ukrainischen Militärgeheimdienst an und habe in Russland die Armee und die Nationalgarde ausspionieren wollen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kritisierte das Urteil: "Das Kreml-Regime macht in seinen Versuchen, den Geist der Ukrainer zu brechen, vor nichts halt", sagte er in Kiew. Die Sprecherin des Außenministeriums in Kiew, Marjana Beza, twitterte: "Ein politisch motivierter Fall. Wir fordern eine Freilassung."

Ukraine bietet Gefangenenaustausch an

Die Beziehungen zwischen den Regierungen in Kiew und Moskau sind seit der Krimkrise 2014 und dem bewaffneten Konflikt in der Ostukraine auf einem Tiefpunkt. Seitdem wurden in Russland mehrfach Ukrainer unter dem Vorwurf der Spionage festgenommen. Der ukrainische Geheimdienst wiederum nahm am 15. Mai den ukrainischstämmigen russischen Journalisten Kirilo Wischinski unter dem Vorwurf des Hochverrats fest.

Die ukrainische Vizeparlamentschefin Irina Geraschtschenko sagte, die Ukraine sei bereit, 23 verurteilte Russen auszutauschen gegen vier in Russland inhaftierte Ukrainer, unter ihnen der Filmemacher Oleh Senzow. Der Ukrainer wurde 2015 von einem russischen Gericht zu 20 Jahren Straflager verurteilt und verbüßt seine Haft am Polarkreis. Seit dem 14. Mai ist er im Hungerstreik, um eine Freilassung ukrainischer politischer Gefangener in Russland zu erreichen.

Jüngst hatte zudem der vorgetäuschte Mord an dem russischen Journalisten Arkadi Babtschenko durch den ukrainischen Geheimdienst das Verhältnis beider Staaten belastet.