Nordkorea-Gipfel - »Dieser Gipfel ist eine absolute Wundertüte« Vor dem Start der Verhandlungen scheinen die Positionen der USA und Nordkorea unvereinbar. Im Video schätzt unser Redakteur Frederic Spohr in Singapur die Lage ein.

Soldaten mit Schlagstöcken patrouillieren in der Abfertigungshalle. Alle paar Meter stehen bewaffnete Polizisten. Wegen der verschärften Kontrollen bilden sich an den Eingängen lange Schlangen. Seit Wochen herrscht am Terminal 3 des Internationalen Flughafens von Peking die höchste Sicherheitsstufe. Der Grund: Der Flughafen hat sich zum Drehkreuz entwickelt – für die Nordkorea-Diplomatie.

Vor knapp zwei Wochen war ein Verhandlungsteam des Weißen Hauses auf dem Weg nach Pjöngjang –   Zwischenlandung in Peking. Ein paar Tage später flog der nordkoreanische Parteifunktionär und frühere Geheimdienstchef Kim Jong Chol in die USA, um dort US-Außenminister Mike Pompeo zu treffen – ebenfalls mit Zwischenstopp in Peking. Dann die vielen Treffen zwischen chinesischen und nordkoreanischen und auch südkoreanischen Regierungsvertretern.

Wenige Tage vor dem Gipfeltreffen am Dienstag zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un läuft der diplomatische Betrieb hochtourig. Trump fordert von Nordkorea, Atomwaffen komplett aufzugeben. Das Kim-Regime fordert eine Sicherheitsgarantie, will die internationalen Sanktionen loswerden und hofft auf Wirtschaftshilfe.

Beziehungen schwer belastet

Die chinesische Führung wird bei dem schon jetzt als historisch bezeichneten Treffen in Singapur zwar nicht vertreten sein. Doch die Regierung in Peking setzt alles daran, mitzureden, wenn sich Nordkorea und die USA diplomatisch annähern. Denn daraus folgt eine politische Neuordnung der ostasiatischen Region. Dafür sorgt nicht zuletzt auch Kim.

China und Nordkorea sind zwar historisch eng verbündet. Doch die nordkoreanischen Atom- und Raketentests der vergangenen Jahre hatten die Beziehungen zum großen Bruder schwer belastet. Seit der junge Kim vor fünf Jahren an die Macht gekommen war, hatte er dem Nachbarn nicht einen Besuch abgestattet. China wiederum stimmte im UN-Sicherheitsrat für die von den USA gegen Nordkorea eingebrachten Sanktionen. Für das Regime in Pjöngjang war das ein besonders harter Schlag. 90 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels liefen über China.

Dann kam zu Beginn des Jahres Kims Charmeoffensive: Er erklärte sich bereit, einer Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel grundsätzlich zuzustimmen. Die Meinung darüber, was das konkret heißt, geht unter den Konfliktparteien zwar weit auseinander. Mit einer konkreten Lösung ist am Dienstag in Singapur daher nicht zu rechnen. Aber dass sich überhaupt erstmals ein amtierender US-Präsident mit einem nordkoreanischen Machthaber trifft, gilt bereits als symbolträchtig. Allein die entstehenden Pressefotos dürften den Konflikt entschärfen.