Mit Diktatoren über Massenvernichtungswaffen zu verhandeln, ist eine unerfreuliche Aufgabe. US-Präsident Donald Trump hat das jetzt in Singapur mit dem Nordkoreaner Kim Jon Un getan. Dessen Langstreckenraketen bedrohen die USA, und wahrscheinlich sind die Nordkoreaner auch in der Lage, funktionierende Atomsprengköpfe auf diese Raketen zu setzen. Trump hat die Atomkrise von seinen Vorgängern Bill Clinton, George Bush Jr. und Barack Obama geerbt und beschlossen, den nordkoreanischen Diktator zwecks Lösung der Krise persönlich kennenzulernen. Das entspricht seinem Selbstverständnis als Dealmaker.

Dagegen ist nichts zu sagen, über Massenvernichtungswaffen muss geredet und verhandelt werden, sie sollten am besten ganz aus der Welt verschwinden. Der Preis dafür aber ist, dass Nordkoreas Diktator Kim Jong Un damit international wie zu Hause enorm aufgewertet wird. Etwas Besseres als ein intensives Händeschütteln mit Trump in Singapur vor den groß aufgezogenen Nationalflaggen Nordkoreas und der USA konnte Kim – einem Menschenrechte missachtenden Gewaltherrscher – nicht passieren. Plötzlich steht er als international beachteter Staatsmann da.

Überhaupt ist der Gipfel für die Nordkoreaner günstig ausgegangen, denn auch wenn Trump stets Konsequenz und Härte zeigen will, ist er beim nordkoreanischen Staatschef ziemlich weit in Vorleistung gegangen. Er stellte Kim in Singapur nicht nur in Aussicht, nach Pjöngjang zu reisen, er will ihn zu gegebener Zeit auch ins Weiße Haus einladen – eine Einladung, die Kim Jong Un angenommen hat.

Wo bleibt Südkorea?

Darüber hinaus verkündete Trump auf der Pressekonferenz nach dem Gipfel, die gemeinsamen und regelmäßigen Militärmanöver mit dem US-Alliierten Südkorea zu stoppen: "Wir werden die Kriegsspiele beenden, womit wir eine riesige Menge Geld sparen werden." Damit kommt er der nordkoreanischen Regierung entgegen, die das seit Langem fordert. Welche Konsequenzen das für die strategische Sicherheit des demokratischen Südkorea hat, bleibt abzuwarten.

Ein Entgegenkommen der US-Regierung gab es in der von Kim und Trump unterzeichneten Abschlusserklärung auch in der eigentlichen Kernfrage dieses Gipfels. Dort heißt es, dass sich die USA und Nordkorea zu einer vollständigen Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel bekennen. Die Trump-Verhandler hatten Nordkorea zunächst umfassende Sicherheitsgarantien sowie Geld und Hilfen aus den USA angeboten und im Gegenzug eine komplette, überprüfbare und unwiederbringliche Denuklearisierung Nordkoreas gefordert. Doch solch umfassende Zugeständnisse waren nicht durchsetzbar, das hatte sich schon vorab für die US-Verhandler abgezeichnet.

Die Nordkoreaner wollten sich nicht darauf einlassen, einseitig ihre Raketen und Atomsprengköpfe aufzugeben, denn aus ihrer Perspektive sichern sie das vergleichsweise kleine Land ab gegen Mächte wie die USA, China oder Russland. Genau aus diesem Grund haben die Nordkoreaner auch immer gesagt, sie befürworteten zwar die Denuklearisierung – aber eben der gesamten koreanischen Halbinsel.