Dafür, dass es nur eine von 17 Personalien war, zog die Nachricht eine Menge Aufmerksamkeit auf sich: Spaniens neuer Wissenschaftsminister ist ein Astronaut. Pedro Duque, erster und bisher einziger Spanier im Weltraum, wechselt ins Kabinett. Die Meldung eignete sich einfach großartig als Metapher: Spaniens neuer Ministerpräsident Pedro Sánchez von der PSOE will hoch hinaus.

Erst am vergangenen Freitag hatte der Sozialist mit einem Misstrauensvotum Mariano Rajoy gestürzt, den wegen der Korruptionsskandale seiner Partei unter Druck geratenen Konservativen. Ein paar Tage später präsentiert Sánchez ein Kabinett, das mit einem gängigen Klischee über Spanien bricht: Die neue Regierung ist weiblich. In elf der 17 Ministerien haben Frauen das Sagen, darunter sind die Schlüsselpositionen Wirtschaft und Arbeit. Sánchez' Vizepräsidentin Carmen Calvo wird auch das Gleichstellungsministerium innehaben, als Zeichen dafür, wie ernst es der Regierung mit dem Thema ist.

Die zweite Botschaft: Spanien ist, wieder, am Puls der Zeit. Mit Teresa Ribera bringt eine ausgewiesene Klimaexpertin die von Rajoy stiefmütterlich behandelten Themen erneuerbare Energien und Umweltpolitik auf die Tagesordnung. Carmen Montón, die neue Gesundheitsministerin, hat sich derweil die Gleichstellung von Lesben und Alleinstehenden beim Anspruch auf Reproduktionsmedizin zu ihrer Agenda gemacht.

Proeuropäische Minister

Schon vor Monaten hatten die spanischen Medien Pedro Sánchez den Beinamen "Erbe Zapateros" verliehen. Jetzt scheint er tatsächlich in die Fußstapfen seines sozialistischen Vorgängers treten zu wollen. José Luis Rodríguez Zapatero hatte in seinen zwei Amtszeiten zwischen 2004 und 2011 Gesellschaftsreformen den Weg geebnet und das Kabinett erstmals paritätisch besetzt.

"Sánchez sendet eine doppelte Botschaft aus", sagt Berta Babet vom Politologenkollektiv Politikon. "Mit einer Mischung aus Fachexperten, erfahrenen Politikern und jungen, frischen Leuten will er beweisen, dass die PSOE für einen ganz anderen Regierungsstil steht als die konservative Volkspartei." Gleichzeitig präsentiere sich der Hochschullehrer für Ökonomie als Garant für Stabilität. "In Wirtschafts- und Europafragen vertritt er einen ganz ähnlichen Kurs wie die anderen europäischen Sozialdemokraten."

Sánchez hat den Haushalt seines Vorgängers übernommen, eine Konzession an die baskischen Nationalisten, die sonst Rajoys Sturz nicht mitgetragen hätten. Und auf zwei Spitzenpositionen sitzen überzeugte Europäer – ein freundliches Signal nach Brüssel. Mit der neuen Wirtschaftsministerin Nadia Calviño wacht eine methodische Technokratin über die Einhaltung der europäischen Defizitvorgaben. Die 49-jährige Juristin und Ökonomin arbeitet seit 2006 in der EU-Kommission, sie managte als Generaldirektorin den EU-Haushalt. Auch der neue Außenminister Josep Borrell ist ein alter Bekannter auf dem europäischen Parkett: Der 71-Jährige präsidierte drei Jahre lang dem Europaparlament.

Diese Personalie hatte schon in den vergangenen Tagen für Wirbel gesorgt, vor allem in Katalonien. Borrell gilt als entschlossener Gegner der katalanischen Separatisten und hat den harten Kurs gegen die Unabhängigkeitsbefürworter stets verteidigt. "Bevor wir die Wunden des Separatismus nähen, müssen wir sie zunächst desinfizieren", sagte er im vergangenen Jahr auf einem Wahlkampfmeeting. Vergrätzt kommentierte der abgesetzte Regionalchef Carles Puigdemont daher Borrells Ernennung:"Ist das die brüderliche Geste, mit der sie den Konflikt entschärfen wollen?"

Dass der Name des neuen Außenministers als einer der ersten durchgesickert war, ist kein Zufall. Er sollte die konservativen Kritiker zum Schweigen bringen, die Premier Sánchez bereits als "Geisel der katalanischen Separatisten" sehen – die Pro-Unabhängigkeitsparteien PDeCat und ERC hatten das Misstrauensvotum gegen Rajoy unterstützt.