Nach Donald Trumps Abkehr von der Schlusserklärung des G7-Gipfels reißt die Kritik im In- und Ausland nicht ab. Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles griff den US-Präsidenten scharf an. "Donald Trump hat im Ergebnis ein Desaster bei G7 veranstaltet und sich per Tweet von der internationalen Verantwortung verabschiedet", sagte sie und fügte an: "Präsident Trump ist ein Chaot. Vernünftige und verlässliche Politik ist so nicht möglich." Die Europäer müssten nun gemeinsam mit Kanada und Japan dafür sorgen, dass die internationale Zusammenarbeit in der Friedens-, Rüstungskontroll-, Klima- und Handelspolitik nicht komplett unter die Räder komme.

Außenminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem Vertrauensbruch, richtete den Blick aber auch nach vorne. "Man kann mit 280 Twitter-Zeichen in Sekundenschnelle Vertrauen zerstören", sagte er. "Das wieder aufzubauen, wird viel länger dauern." Er werde bald nach Japan reisen und auch das Gespräch mit seiner kanadischen Kollegin suchen, so Maas.

Ganz überraschend sei Trumps Stimmungswandel nicht gekommen. Ähnlich habe er sich mit Blick auf das Pariser Klima-Abkommen und die Atom-Vereinbarung mit dem Iran verhalten. Dennoch seien die G7-Treffen richtig, so Maas: "Manchmal macht es auch Sinn, in solchen Formaten die Unterschiede zu erkennen und dann auch deutlich zu machen."

G7-Gipfel - Maas fordert ein offensiveres Europa Nach Donald Trumps Vorgehen beim G7-Gipfel hat Außenminister Heiko Maas einen größeren Zusammenhalt europäischer Staaten gefordert. »Europe United« sei die Antwort auf »America First«, sagte er in Berlin. © Foto: Axel Schmidt/Reuters

"Egoistische, kurzsichtige Politik zurückweisen"

Der chinesische Präsident Xi Jinping sprach sich nach Trumps Abkehr von der Schlusserklärung für eine offene Weltwirtschaft aus. "Wir müssen egoistische, kurzsichtige, engstirnige und abschottende Politik zurückweisen", sagte Xi auf dem Treffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, einer Art Gegenveranstaltung zum G-7-Gipfel. US-Präsident Donald Trump erwähnte er nicht direkt. 

Xi sprach sich für die Fortsetzung der Kooperation "zum gegenseitigen Vorteil" aus. "Wir sollten die Mentalität des Kalten Kriegs und die Konfrontation zwischen den Blöcken zurückweisen und uns gegen die Praxis verwahren, auf Kosten anderer die absolute Sicherheit für sich selbst anzustreben", sagte er. Die Weltgemeinschaft müsse die Regeln der Welthandelsorganisation erhalten, das multilaterale Handelssystem unterstützen und eine offene, globale Wirtschaft aufbauen. Damit wandte Xi sich auch gegen die von Trump eingeführten Einfuhrzölle für bestimmte Güter. Allerdings hat China derzeit selbst seine Wirtschaft streng nach außen abgeschirmt.  

Frankreich mahnte unterdessen die Einhaltung der Regeln für die internationale Zusammenarbeit an. "Internationale Zusammenarbeit sollte nicht von Wutausbrüchen oder abfälligen Bemerkungen abhängen", hieß es in einer Erklärung des Elysée-Palastes. Der französische Staatschef Emmanuel Macron hatte nach dem Gipfelende gesagt, das Treffen habe zu einer Beruhigung in der G7-Gruppe geführt. "Der Geist der Kooperation hat gewonnen." Vor dem Gipfel hatte er Trump noch vorgeworfen, dieser wolle sich mit Alleingängen etwa bei Handel und Klima isolieren und strebe eine Vormacht in der Welt an.  

Der republikanische US-Senator John McCain kritisierte das Verhalten Trumps ebenfalls und wandte sich direkt an die internationalen Verbündeten. Die parteiübergreifende Mehrheit der Amerikaner sei weiterhin für freien Handel, für Globalisierung und unterstütze die Bündnisse, die auf 70 Jahre lang gemeinsam geteilten Werten basieren, schrieb McCain auf Twitter. "Die Amerikaner stehen zu euch, auch wenn es unser Präsident nicht tut."  

G7-Gipfel - Trump zieht Ja zur Abschlusserklärung zurück US-Präsident Trump hat seine Zustimmung zur Abschlusserklärung des G7-Gipfels per Twitter zurückgezogen. Die Schuld sieht er beim kanadischen Premierminister Justin Trudeau. © Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Trump hatte nach dem Ende des G7-Gipfels in Kanada seine Zustimmung zur Schlusserklärung des Treffens auf seinem Weg von Kanada nach Singapur zurückgezogen. Seine Meinungsänderung begründete der US-Präsident auf Twitter unter anderem mit der Haltung des kanadischen Gastgebers Justin Trudeau zu US-Importzöllen auf Stahl und Aluminium. Kanadas Premier habe in einer Pressekonferenz nach dem Treffen in Québec "falsche Äußerungen" von sich gegeben. Trump kritisierte Trudeau als "sehr unehrenhaften und schwachen Gastgeber". Die von den USA verhängten Zölle seien lediglich eine Reaktion auf Kanadas Aufschlag auf US-Molkereiprodukte.

Das Büro des kanadischen Premiers reagierte auf die Kritik Trumps und teilte mit, Trudeau habe in seiner Pressekonferenz nichts anderes gesagt als zuvor – "sowohl öffentlich als auch in privaten Gesprächen mit dem Präsidenten". Die kanadische Regierung sei fokussiert "auf alles, was wir hier beim G7-Gipfel erreicht haben", hieß es in einem Statement auf Twitter.

Putin will sich mit Trump treffen

Russlands Präsident Wladimir Putin tat die Kritik der G7 an seinem Land als "kreatives Gelaber" ab, das nun aufhören müsse. "Ich glaube, nun müssen wir uns den konkreten Fragen einer realen Zusammenarbeit zuwenden", sagte Putin. Zudem schlug er ein baldiges bilaterales Treffen mit den US-Präsidenten vor. Er wolle mit Trump zusammenkommen, sobald Washington dazu bereit sei, sagte der russische Präsident.

Demnach haben sich einige Länder, darunter Österreich, als Gastgeber eines amerikanisch-russischen Gipfeltreffens angeboten. Seine Äußerungen folgen auf Berichte, wonach das Weiße Haus an der Vorbereitung eines Treffens der beiden Präsidenten arbeite. Trump hatte bereits gesagt, er sei offen für ein Treffen mit Putin und daran interessiert, die Beziehungen zu Moskau zu verbessern.

EU hält an Schlusserklärung fest

Die EU will trotz des Rückziehers von Trump zu der G7-Gipfelerklärung stehen. "Wir halten an dem Kommuniqué fest, so wie es von allen Teilnehmern vereinbart wurde", sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk in der Nacht der Deutschen Presse-Agentur.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) befand sich zum Zeitpunkt von Trumps Abkehr von der G7-Erklärung bereits auf dem Rückflug nach Berlin. Sie hatte vor ihrer Abreise eingeräumt, dass durch das Abschlusskommuniqué der Dissens mit den USA in Handelsfragen "nicht aus der Welt" geschaffen und weitere "Diskussionen" notwendig seien. Nach ihrer Rückkehr reagierte die Bundeskanzlerin zurückhaltend auf Trumps nachträglichen Ausstieg aus der Abschlusserklärung. "Deutschland steht zu dem gemeinsam vereinbarten Kommuniqué", sagte ein Regierungssprecher nach Ankunft Merkels in Berlin.