Die Führung in Südkorea hat zuversichtlich auf das Ergebnis des Gipfeltreffens von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur reagiert. "Ich begrüße den Erfolg des historischen Gipfels mit glühendem Herzen", sagte der südkoreanische Präsident Moon Jae In laut einem Sprecher des Präsidentenhauses. "Die Sentosa-Vereinbarung vom 12. Juni wird als historisches Ereignis in Erinnerung bleiben, das dabei geholfen hat, die letzte Hinterlassenschaft des Kalten Kriegs auf Erden zu beseitigen", sagte Moon.

Er lobte sowohl Trump als auch Kim "für ihre Courage und mutigen Entscheidungen". Verhalten reagierte die Regierung in Südkorea auf den angekündigten Stopp der US-Militärmanöver: Man müsse ergründen, was Trumps Absichten seien. Die Streitkräfte der beiden Verbündeten trainieren bisher regelmäßig gemeinsam.

Etwas vorsichtiger optimistisch äußerte sich Russlands Außenministerium zu dem Treffen von Trump und Kim: "Es ist zu begrüßen, dass ein wichtiger Schritt voran gemacht wurde", sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow in Moskau. Das Treffen sei ein Impuls für einen möglichen Frieden auf der koreanischen Halbinsel, der Teufel stecke aber im Detail. "Die konkreten Vereinbarungen müssen genau geprüft werden", sagte Rjabkow. Trump und Kim hatten lose eine nukleare Abrüstung Nordkoreas vereinbart.

Nach Auffassung Russlands sollten die Gespräche nun im bewährten Sechser-Format fortgesetzt werden. Das Format mit Nord- und Südkorea, Japan, den USA, China und Russland sei wieder gefragt. Hintergrund der Forderung: Durch die Annäherung zwischen den USA und Nordkorea fürchtet die Regierung in Moskau, an Bedeutung für den Gesprächsprozess zu verlieren. Sie will, wie die USA, Nordkorea nicht als Atommacht akzeptieren. Zugleich unterstützt Russland das kommunistische Land bei seinem Widerstand gegen die USA.

Die Europäische Union reagierte erfreut über die Vereinbarung. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, das Treffen sei ein "entscheidender und notwendiger Schritt" für den Friedensprozess in der Region gewesen. Die unterzeichnete Erklärung zeige, dass eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen möglich sei. "Den Weg der Diplomatie zu gehen ist oft eine Herausforderung, aber es ist immer lohnend", sagte Mogherini.

Der Iran warnte Kim davor, ein Atomabkommen mit Trump einzugehen. Das berichtete der US-amerikanische Sender ABC unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Fars. "Wir haben es mit einem Mann zu tun, der seine Unterschrift widerruft, sobald er im Ausland ist", habe ein Regierungssprecher gesagt. Trump hatte im Mai das Atomabkommen der USA mit dem Iran aufgekündigt.

Japan hofft auf Entschärfung des Konflikts mit Nordkorea

Auch die chinesische Führung reagierte positiv auf die Ergebnisse des Treffens. Der Gipfel habe einen "wichtigen Fortschritt" bei der Förderung der Entnuklearisierung erreicht, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums in Peking. China schätze die von Trump und Kim getroffenen politischen Entscheidungen sehr und hoffe, dass es weitere Treffen zwischen den beiden geben wird. Als "wichtige Partei" sei China zudem bereit, mit allen relevanten Kräften zusammenzuarbeiten, um sich weiterhin für die atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel und die Einrichtung eines Friedensmechanismus einzusetzen.

Japans Regierungschef Shinzo Abe sieht in dem Gipfeltreffen auch einen Schritt zur Lösung des Konflikts zwischen Japan und Nordkorea. Japan, das von Nordkorea bedroht wird, hofft auf eine Abrüstung der Atomwaffen sowie der Raketen, die das Land erreichen können.

Zugleich drückte Abe seine hohe Wertschätzung dafür aus, dass Trump das für Japan wichtige Thema der Entführung von Japanern in den Siebziger- und Achtzigerjahren nach Nordkorea angesprochen habe. Für Japan ist diese Frage das größte Hindernis für eine Normalisierung der Beziehungen zu Nordkorea.

Die Verschleppten sollten Spionen Pjöngjangs beibringen, Japanisch zu sprechen, und ihnen helfen, sich wie Japaner zu verhalten. Erst 2002 gestand Nordkorea bei einem überraschenden Besuch des japanischen Regierungschefs Junichiro Koizumi, 13 Menschen verschleppt zu haben. Fünf der Japaner konnten heimkehren. Nordkorea behauptete, die acht anderen Japaner seien gestorben und es habe keine weiteren Entführten gegeben. Damit war für Nordkorea die Sache beendet. Tokio geht jedoch von 17 entführten Landsleuten aus und fordert volle Aufklärung.

Nordkorea-Gipfel - »Eine extreme Aufwertung von Kim Jong Un« Nordkorea verspricht eine nukleare Abrüstung, die USA geben Sicherheitsgarantien. Warum die Singapur-Erklärung vor allem Nordkorea nutzt, erklärt unser Autor im Video.

Deutsche Oppositionspolitiker zeigen sich skeptisch

Von der deutschen Regierung gibt es bisher keine Reaktion auf das Treffen. Die Opposition zeigte sich überwiegend skeptisch. Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Graf Lambsdorff, nannte die gemeinsame Abschlusserklärung wenig konkret, sie lasse viele Fragen offen. "Ob damit der Grundstein für die nukleare Abrüstung von Nordkorea gelegt ist, bleibt abzuwarten."

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warnte, Aussagen Trumps hätten "eine Halbwertzeit gerade mal von einem Tweet". Auch auf Kim sei wenig Verlass: "Wir haben es hier mit zwei – milde ausgedrückt – unbeständigen Charakteren zu tun." Ähnlich äußerte sich Linken-Chefin Katja Kipping. Zudem würden Kim und Trump "völlig unberechenbare Staatschefs bleiben, denen das eigene Ego wichtiger zu sein scheint als das Wohl der Menschen in ihrer politischen Obhut", sagte Kipping.

Nur aus der AfD kamen zuversichtlichere Stimmen. Der stellvertretende Bundessprecher Georg Pazderski bezeichnete die Vereinbarung von Singapur als "historischen Meilenstein". Zugleich lobte Pazderski Trumps "klare Agenda". Die Vereinbarung zeige, "dass eine klare Politik zugunsten des eigenes Landes auch für die Welt insgesamt zu positiven Ergebnissen führen kann".