Österreichs Entscheidung, Moscheen zu schließen und Imame auszuweisen, hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan verärgert. Der Schritt des österreichischen Kanzlers würde die Welt in Richtung eines "Krieges zwischen Kreuz und Halbmond" führen, sagte Erdoğan während einer Rede in Istanbul. "Denken Sie, wir werden nicht reagieren, wenn Sie so etwas tun?", fragte der Staatschef.

Die österreichische Regierung hatte am Freitag angekündigt, sieben angeblich islamistische Moscheen schließen zu wollen. Zudem könnten 60 Imame samt ihrer Familien ausgewiesen werden. Innenminister Herbert Kickl von der rechtspopulistischen FPÖ erklärte, es handele sich dabei um Geistliche mit Verbindungen zum türkisch-islamischen Kulturverein Atib. Wie der Moscheeverband Ditib in Deutschland ist auch Atib ein Dachverband, der in Österreich mehr als 60 Vereine vertritt. Er untersteht der türkischen Religionsbehörde Diyanet und damit der türkischen Regierung.

Innenminister Kickl zufolge verdächtigt die österreichische Regierung die Imame, gegen das Verbot der Auslandsfinanzierung religiöser Amtsträger zu verstoßen. Im April hatte die österreichische Regierung eine Prüfung der Moscheen angekündigt, nachdem in einer Wiener Atib-Moschee offenbar mit Kindern in Tarnkleidung eine Schlacht des Ersten Weltkrieges nachgestellt wurde. Fotos zeigten marschierende und salutierende Jungen mit türkischen Flaggen.

"Kampf gegen politischen Islam"

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte die Moscheenschließung als Maßnahme im "Kampf gegen den politischen Islam" angekündigt. "Parallelgesellschaften, politischer Islam und Radikalisierungstendenzen haben in unserem Land keinen Platz", sagte er in Wien. 

Erdoğan droht nun mit Vergeltung. "Wir werden etwas tun müssen", sagte er, nannte jedoch keine konkreten Maßnahmen. In Österreich leben etwa 360.000 Menschen türkischer Herkunft, darunter 117.000 türkische Staatsbürger. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind seit dem gescheiterten Putschversuch im Jahr 2016 und den anschließenden Verhaftungswellen in der Türkei angespannt. Wien hatte zuletzt türkischen Politikern Wahlkampfauftritte vor der Parlamentswahl in der Türkei am 24. Juni untersagt.