Statt sich neutral zu verhalten, hat sich der neue US-Botschafter in Deutschland für Verbündete seines Präsidenten in Europa starkgemacht. Das US-Außenministerium ist bemüht, die umstrittenen Äußerungen von Richard Grenell zu relativieren. "Botschafter haben ein Recht, ihre Meinung zu äußern", sagte die Sprecherin des Ministeriums, Heather Nauert, auf die Frage, ob Grenell die Meinung von US-Präsident Donald Trump wiedergegeben habe. "Manchmal sind es Ansichten, die die Leute vielleicht mögen oder nicht mögen."

Grenell hatte es in einem Interview mit dem ultrarechten Internetportal Breitbart als seine Aufgabe umschrieben, konservative Bewegungen in ganz Europa zu stärken. Er wurde von Breitbart mit den Worten zitiert: "Ich möchte andere Konservative in Europa, andere Anführer, unbedingt stärken."

Mehrere deutsche Politiker warfen Grenell Einmischung in innere Angelegenheiten vor und kritisierten ihn teils harsch. Am Mittwoch kommt der US-Botschafter zu einem Besuch ins Auswärtige Amt. Bei dem bereits länger geplanten Gespräch wird er von Staatssekretär Andreas Michaelis empfangen. Auch der Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit, Peter Beyer, will mit Grenell sprechen.

Der Besuch ist nicht Grenells erster im Außenamt, er hat wegen seiner Äußerungen aber besondere Aufmerksamkeit bekommen. Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte mit Blick auf Grenells Äußerungen: "Es wird sicherlich einiges zu besprechen geben."

Auch der ehemalige deutsche Botschafter in den USA, Klaus Scharioth, äußerte sich. Er nannte Grenells Verhalten "völlig ungewöhnlich". Seine Meinung zu inneren Angelegenheiten des Gastlandes kundzutun, sei sehr unklug. "Denn Sie haben nur so viel Einfluss im Gastland, wie Sie Zugang haben."

Grenell ist seit einem Monat US-Botschafter in Berlin und gilt als enger Vertrauter Trumps. Gemäß dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen gibt es keine Regeln, wie man sich als Diplomat im Gastland zu verhalten hat, aber eine so offene Einmischung und Einladung ausländischer Regierungschefs ist ungewöhnlich. Zuvor hatte Grenell schon deutsche Unternehmen gewarnt, weiter im Iran zu investieren.