Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ist während der Fußball-WM besonders hoch – das will der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny nutzen. Deshalb ruft er für den 1. Juli zum landesweiten Protest gegen die geplante Anhebung des Rentenalters auf. Dieses Vorhaben der Regierung sei ein Verbrechen, postete der 42-Jährige auf Instagram. Unter dem "Deckmantel einer überfälligen Reform" würden nicht wenige Millionen Menschen beraubt.

Nawalny sagte in einem Video, seine Mitarbeiter hätten bereits Genehmigungen für Demonstrationen in Städten beantragt, die keine WM-Austragungsorte sind, darunter Twer und Jaroslawl.

Während der Fußball-WM ist das Demonstrationsrecht in Russland stark eingeschränkt. An den Austragungsorten können nur öffentliche Veranstaltungen stattfinden, wenn die Behörden Ort und Zeit genehmigt haben.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew hatte die geplante Erhöhung des Rentenalters am Tag des WM-Eröffnungsspiels verkündet. Künftig sollen Männer erst mit 65 Jahren und Frauen mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen. Bisher müssen Frauen bis zum 55. Lebensjahr arbeiten, Männer bis zum 60. Lebensjahr. Diese Altersgrenzen wurden 1932 festgesetzt und seitdem nie geändert. Sie sind unter den niedrigsten weltweit.

Schon mehrfach in Haft

Die Pläne der Regierung stießen auf Protest: Mehr als 1,5 der 144 Millionen Russen unterzeichneten eine Petition dagegen.

Der Oppositionsführer Nawalny war erst am Donnerstag – nur wenige Stunden vor der feierlichen Eröffnung der Fußball-WM – aus der Haft entlassen worden. Er hatte Mitte Mai wegen der Organisation von Protestveranstaltungen anlässlich der Vereidigung von Präsident Wladimir Putin eine Haftstrafe von 30 Tagen erhalten. Nawalnys Anwälte und Anhänger betrachten das Gerichtsverfahren als politisch motiviert. Nawalny saß wegen seiner politischen Aktivitäten schon mehrmals im Gefängnis.