Nordkorea-Gipfel - »Dieser Gipfel ist eine absolute Wundertüte« Vor dem Start der Verhandlungen scheinen die Positionen der USA und Nordkorea unvereinbar. Im Video schätzt unser Redakteur Frederic Spohr in Singapur die Lage ein.

In diesen Tagen werden selbst Kameramänner zur Sensation in Singapur. Als sich ein nordkoreanischer TV-Journalist kurz aus dem Hotel von Kim Jong Un traut, stürzen sich sofort Dutzende Reporter auf den Kameramann: Ordner müssen den armen Kerl abschirmen und begleiten. Vor dem historischen Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist die Stimmung schlicht überdreht. Hunderte Reporter drängen sich vor den beiden Luxushotels, in denen die Politiker mit ihren Delegationen logieren.   

Sie wohnen nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt, das Gebiet dazwischen ist belagert von Polizisten und Journalisten. Ganze Straßenzüge im Zentrum der Finanzmetropole sind abgesperrt. Singapur ist im Ausnahmezustand und bietet die Bühne für eine gigantische Medienshow.

Wie könnte es auch anders sein, kurz vor diesem Gipfel, der guten Stoff für Geschichtsbücher und Comichefte gleichermaßen bereithält: Kim Jong Un, der Außenseiter unter Staatenlenkern, trifft auf den wohl erratischsten US-Präsidenten aller Zeiten. Gemeinsam plaudern sie über Atomkrieg, Frieden und möglicherweise auch ihren Kumpel, Ex-Basketballstar Dennis Rodman. Der ist auch in der Stadt – auf inoffizieller Friedensmission, heißt es. Nebenbei wirbt er für Potcoins. Das ist eine Kryptowährung, mit der man in Marihuana investieren kann.

12,5 Millionen Euro gibt Singapur aus

Der Rummel ist erwünscht: Der US-Präsident selbst hatte das Treffen schließlich zu einem historischen Ereignis erklärt. Andererseits sagt er auch, dass er sich auf diesen großen Moment nicht besonders vorbereiten müsse, die Details kämen später. Da wird man das Gefühl nicht los: Wenn als Ergebnis schon nicht der Weltfrieden rauskommt, dann doch wenigstens ein paar gute Schlagzeilen. Das gilt nicht nur für die Protagonisten, sondern auch für Nebendarsteller, Berichterstatter und auch den Gastgeber Singapur.

Umgerechnet mehr als 12,5 Millionen Euro gibt Singapur für den Gipfel aus – die Rechnung geht sozusagen aufs Haus. Das Treffen sei schließlich "förderlich für die Sicherheit und Stabilität der gesamten Region", sagte Singapurs Regierungschef Lee Hsien Loong. Das Engagement ist nicht ganz uneigennützig, der kleine Stadtstaat mit rund fünf Millionen Einwohnern will seinen kurzen Einsatz als Weltbühne nutzen: "Es geht auch um Publicity", sagte Lee Journalisten bei einem Besuch im Pressezentrum.

Singapur hat schon gezeigt, dass es in der Lage ist, historische Gipfel auszurichten. Auch der chinesische Präsident Xi Jinping und Taiwans damaliger Präsident Ma Ying Jeou trafen sich 2015 hier – das erste Treffen zweier Staatschefs der beiden Länder seit 1949. Die derzeitige Megaveranstaltung sprengt die Dimensionen aber. Vor allem, weil sie innerhalb weniger Wochen organisiert werden musste.

Wie es nicht anders zu erwarten war, meistert Singapur die Herausforderung. Für die Tausenden Journalisten aus aller Welt hat der Stadtstaat in Windeseile ein Akkreditierungssystem aufgebaut. Ein japanischer TV-Sender hat allein 100 Mitarbeiter geschickt. Die Reporter aus aller Welt sind im Hauptgebäude der Formel-1-Strecke untergebracht. Mit seinen riesigen Leinwänden und der mit Decken verzierten Bestuhlung sieht es jetzt so aus wie eine Mischung aus Ballsaal und Nasa-Kommandozentrum.