Die irakische Regierung hat die Übergabe des Tatverdächtigen Ali B. an Deutschland als Rechtsverstoß kritisiert. Es gebe zwischen beiden Ländern kein Abkommen über eine Auslieferung von gesuchten Personen, teilte das Außenministerium in Bagdad mit. Den Verstoß hätten sowohl die kurdische Regionalregierung als auch Deutschland begangen. Nur das Justizministerium der irakischen Zentralregierung habe die Befugnis für einen Austausch von Gesuchten.

B. steht unter Verdacht, die in Wiesbaden tot aufgefundene Mainzerin Susanna F. in der Nacht vom 22. zum 23. Mai vergewaltigt und getötet zu haben. Er ist inzwischen in Deutschland in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Wiesbaden soll er die Tötung bei der Vernehmung durch die Polizei gestanden haben.

Der tatverdächtige Iraker war Anfang Juni mit seiner Familie unter falschem Namen mit dem Flugzeug in die kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak ausgereist und dort festgenommen worden. Kurdische Sicherheitskräfte übergaben ihn am vergangenen Samstag in der Regionalhauptstadt Erbil deutschen Polizeibeamten, die ihn zurück nach Deutschland geleiteten. Der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, war persönlich in den Nordirak geflogen, um den Verdächtigen abzuholen.

Die Familie von B. war im Sommer 2015 über die Route Irak-Türkei-Griechenland gekommen und im Oktober des Jahres nach Deutschland eingereist. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte den Asylantrag der Familie auf subsidiären Schutz im Dezember 2016 abgelehnt. Die Familie klagte im Januar gegen diesen Entscheid und durfte deshalb für die Dauer des Gerichtsverfahrens in Wiesbaden bleiben.