Im Süden Syriens fliehen Zehntausende Menschen vor einer neuen Militäroffensive der Regierung. Bereits vor einer Woche haben die Kämpfe begonnen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden rund 45.000 Menschen vertrieben. Nun rückt die Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad nach Angaben staatlicher Medien in die Stadt Daraa vor – eine der wenigen, die teilweise noch von Rebellen gehalten wird.

Mit Artillerie und Luftangriffen würde der Vormarsch der Truppen auf den Südosten der Stadt vorbereitet, teilte die staatliche syrische Agentur Sana mit. Ziel sei es, die Verbindung zwischen Daraa und dem Nachbarland Jordanien zu kappen.

Die Stadt gehörte zu den ersten Orten, in denen im Frühjahr 2011 Syrerinnen und Syrer gegen die Regierung Assads protestierten. Regierungskräfte gingen damals mit Gewalt gegen die Demonstranten vor.

Die russische Regierung als Verbündeter des syrischen Regimes, die USA sowie Jordanien hatten sich im Juli 2017 auf eine sogenannte Deeskalationszone in der Provinz Daraa geeinigt. Syriens Machthaber Assad drohte jedoch, das Gebiet anzugreifen, sollte es keine politische Einigung geben.

Die Offensive auf Daraa ist darüber hinaus wegen der Nähe zur israelischen Grenze brisant. Die israelische Regierung hat klargemacht, dass sie es nicht hinnehmen werde, dass sich die libanesische Hisbollah-Miliz oder andere proiranische Kräfte an ihrer Grenze festsetzen. Eine Beteiligung solcher Milizen an einer Offensive auf Daraa könnte daher Israel alarmieren, das bereits wiederholt proiranische Kräfte in Syrien bombardiert hat.

Die Grenze zu Jordanien ist zu

Zudem zeigten sich die UN besorgt über die Sicherheit der Menschen, die jetzt aus der Provinz Daraa fliehen. Denn die meisten bewegen sich auf die Grenze zu Jordanien zu. Doch diese sei geschlossen, sagte Jens Lærke, ein Sprecher des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten. Von der Grenze aus gebe es keine weitere Fluchtroute.

Eine Sprecherin der jordanischen Regierung wurde mit den Worten zitiert, das Königreich nehme keine weiteren Syrerinnen und Syrer auf. In dem Land leben bereits rund 660.000 registrierte syrische Flüchtlinge, Schätzungen zufolge ist die Zahl der tatsächlich dorthin geflüchteten Syrer aber doppelt so hoch.