Bei russischen Luftangriffen im Süden von Syrien sind nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 22 Zivilisten getötet worden. Demnach gab es allein in der Kleinstadt Al-Mseifra 17 Tote in einem Keller. Die Zivilisten hätten dort Schutz vor den Bomben gesucht.

Die Aktivisten sprachen von der höchsten Opferzahl seit Beginn einer neuen Offensive der Regierungstruppen auf die Rebellengebiete in der Provinz Daraa am 19. Juni. Die syrische Armee hatte die Kämpfe begonnen, nachdem wochenlange Verhandlungen unter Vermittlung Russlands keine Einigung mit der Opposition gebracht hatten. Russische Kampfflugzeuge begannen am 23. Juni mit Bombenangriffen in der Region, in der seit einem Jahr eine Waffenruhe galt.

In Daraa hatten im März 2011 die Proteste gegen Machthaber Baschar al-Assad begonnen, die sich später auf das ganze Land ausgeweitet hatten. Die Provinz und ihre gleichnamige Hauptstadt liegen in der Nähe zu Jordanien und zu den von Israel besetzten Golanhöhen.

Seit den erbitterten Kämpfen Anfang des Jahres um das von Rebellen Ostghuta kontrollieren nun noch die Provinz Idlib im Nordwesten und Teile der Provinzen Daraa und Kuneitra im Süden des Landes. Zusammen mit ihren Verbündeten – neben der russischen Regierung sind dies Iran und die von ihr befehligten schiitischen Hisbollah-Milizen – wollen Assads Truppen auch diese Gebiete zurückerobern.