Bei einem Luftangriff auf ein von Rebellen gehaltenes Dorf im Nordwesten Syriens sind mindestens 35 Menschen getötet worden. Das berichten die oppositionelle Rettungsorganisation Weißhelme und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie berichten von 80 Verletzten im Dorf Sardana, unter ihnen Kinder. Es sei davon auszugehen, dass es in diesem Jahr noch keinen Angriff gab, bei dem mehr Menschen in der Provinz Idlib getötet wurden.

Die Beobachtungsstelle teilte mit, der Angriff sei nach dem muslimischen Ramadan-Fastenbrechen nach Sonnenuntergang verübt worden. Sie machte russische Kampfflugzeuge für den Angriff verantwortlich. Von unabhängiger Stelle konnte diese Angabe nicht überprüft werden. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Angaben von einem Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Die russische Regierung widersprach den Aktivisten: Russische Flugzeuge hätten keine Angriffe geflogen.

Idlib ist Teil der Deeskalationszone

Russland ist neben dem Iran die militärische Schutzmacht des Präsidenten Baschar al-Assad und hat durch das Eingreifen vor zweieinhalb Jahren seinen Sturz verhindert. Derartige Luftangriffe in der Rebellenprovinz Idlib waren in den vergangenen Monaten jedoch relativ selten. Das Gebiet gehört zu einer Deeskalationszone, die Russland, die Türkei und der Iran im vergangenen Jahr vereinbart hatten. Zehntausende Syrerinnen und Syrer sind in den vergangenen zwei Jahren aus anderen Teilen des Landes nach Idlib geflohen. Es handelt sich unter anderem um Vertriebene aus Ostghuta oder Aleppo.

Die Provinz Idlib ist das am dichtesten besiedelte Gebiet, das noch von Aufständischen und Extremisten kontrolliert wird. Seit 2011 sind nach UN-Angaben in dem Bürgerkrieg mehr als 400.000 Menschen getötet worden, Millionen sind im In- und Ausland auf der Flucht.