US-Präsident Donald Trump hat mit einer Serie von Twitter-Kurznachrichten erneut einige Nato-Verbündete wegen ihrer Überschüsse im Handel mit den USA sowie teils geringer Verteidigungsausgaben angegriffen. "Nicht fair gegenüber dem amerikanischen Volk! $800 Milliarden Handelsdefizit", lautete eine Nachricht. Die USA trügen nahezu die gesamten Kosten der Nato und schützten damit "viele der Länder, die die USA im Handel abzocken und lachen", schrieb er. "Sie zahlen nur einen Bruchteil der Kosten und lachen uns aus."

Der US-Präsident kritisierte explizit Deutschland, das zu wenig in die Sicherheit der Verbündeten investiere. "Deutschland zahlt ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes (langsam) in Richtung Nato, während wir vier Prozent von einer weit größeren Wirtschaftsleistung zahlen", twitterte Trump. "Glaubt irgendjemand, dass das Sinn macht? Wir beschützen Europa (was gut ist) zu großen finanziellen Kosten, und dann werden wir beim Handel auf unfaire Weise geschröpft", beklagte Trump und kündigte Veränderung an.

Der US-Präsident hält sich derzeit in Singapur auf, wo er an diesem Dienstag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zusammentreffen will. Am Samstag hatte Trump nach einem Treffen der sieben führenden Industriestaaten für einen Eklat gesorgt und das gesamte G7-Format in eine Krise gestürzt. So ließ er ebenfalls über Twitter die gemeinsame Erklärung der Staats- und Regierungschefs für einen fairen Handel nachträglich platzen. Trump begründete dies mit "falschen Erklärungen" des Gastgebers, Kanadas Ministerpräsidenten Justin Trudeau.

Diesem warf er nun erneut vor, sich damit zu brüsten, vom Handel mit den USA zu profitieren. Auch Kanada verbuche einen Überschuss von fast 100 Milliarden Dollar und nehme Aufschläge auf US-Molkereiprodukte, twitterte der US-Präsident. Und dann tue der kanadische Ministerpräsident verletzt, wenn er zur Verantwortung gerufen wird, kritisierte Trump mit Blick auf den Eklat nach dem G7-Gipfel.

In den sonntäglichen US-Talkshows verteidigten Trumps Berater den Präsidenten. Sein Berater in Handelsfragen, Peter Navarro, erklärte, Trump habe Trudeau einen Gefallen getan, indem er zum G7-Gipfel gekommen sei. "Er war sogar bereit, das sozialistische Kommuniqué zu unterschreiben", sagte Navarro. Dann sei der kanadische Regierungschef Trump jedoch in den Rücken gefallen. Wirtschaftsberater Larry Kudlow sagte, Trump vermute, dass Trudeau ihn vor dem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un politisch schwächen wollte. Kudlow warf Trudeau Verrat vor.