Am ersten Tag des Prozesses gegen den Welt-Journalisten Deniz Yücel in der Türkei hat der Richter einen Freispruch des Angeklagten abgelehnt. Die Bedingungen dafür seien unter anderem "wegen der Schwere der Anklage nicht gegeben", sagte er im Gericht in Istanbul. Außerdem müssten erst noch Beweise geprüft werden. Ihm werden wegen seiner Artikel Volksverhetzung und Terrorpropaganda vorgeworfen.

Yücel nimmt an dem Prozess nicht teil. Er war im Februar nach einjähriger Untersuchungshaft entlassen worden und ausgereist. Der deutsch-türkische Journalist hatte sich im Februar 2017 der türkischen Polizei gestellt und war daraufhin ein Jahr lang ohne Anklage inhaftiert worden.

Der Richter forderte außerdem eine schriftliche Aussage von Yücel. Eine Videoaussage, wie von Yücels Anwalt Veysel Ok vorgeschlagen, wollte er nicht akzeptieren.

Zweieinhalb Seiten Anklageschrift

Gleich zum Auftakt der Anhörung forderte Yücels Anwalt Veysel Ok den sofortigen Freispruch seines Mandanten, wie die Medienrechtsorganisation MLSA per Twitter mitteilte, der Ok angehört. Yücel war im Februar nach einem Jahr in Untersuchungshaft freigelassen worden und nahm nicht an der Anhörung teil.

Der Anwalt erinnerte laut MLSA daran, dass sich Yücel Mitte Februar 2017 freiwillig zur Polizei begeben habe, nachdem er aus den Medien erfahren hatte, dass gegen ihn im Zusammenhang mit Enthüllungen der Hackergruppe RedHack zu Energieminister Berat Albayrak ermittelt werde. Bei der Vernehmung durch die Polizei sei er aber nicht zu diesem Thema, sondern zu Artikeln befragt worden, die er in der Zeitung veröffentlicht hatte.

Auf dieser Grundlage sei er in Untersuchungshaft genommen worden, kritisierte Ok laut der Mitteilung von MLSA. Erst nach einem Jahr in Haft sei eine zweieinhalbseitige Anklageschrift vorgelegt worden, die keinerlei zusätzliche Beweise enthalten und ausschließlich auf seinen Artikeln beruht habe. Die Anklageschrift sei damit "eine große Enttäuschung" für die Verteidigung und die Öffentlichkeit gewesen, sagte Ok.

Das Gericht vertagte sich nach einer knappen Dreiviertelstunde Verhandlungsdauer auf den 20. Dezember.