Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zum Wahlsieg gratuliert. Er sprach nach Angaben des Kreml von der "großen politischen Autorität" Erdoğans. Der türkische Präsident hatte die erste Runde der Präsidentschaftswahl am Sonntag mit 52,55 Prozent gewonnen. Dieses Ergebnis, schrieb Putin in seinem Glückwunschschreiben, würde die "große Unterstützung für seinen Kurs bestätigen". 

Zugleich wünsche sich Russland eine Fortsetzung der engen Zusammenarbeit. Das sei im Interesse der Völker Russlands und der Türkei – und helfe, Frieden, Stabilität und Sicherheit auf dem eurasischen Kontinent zu sichern, schrieb Putin.

Als erster Regierungschef eines EU-Landes gratulierte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán. "Die Stabilität der Türkei ist für ganz Europa eine gute Nachricht", hieß es in dem Glückwunschschreiben nach Angaben eines Sprechers. Europa stehe "vor zahllosen schweren sicherheitspolitischen Herausforderungen, zu deren Bewältigung eine berechenbare und effiziente Zusammenarbeit mit der Türkei unumgänglich ist".

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hofft wiederum auf eine weitere Festigung der "herzlichen und brüderlichen Beziehungen" der beiden Nachbarländer. Die Türkei und der Iran sollten sich auch weiterhin verstärkt für Sicherheit und Frieden in der Region einsetzen, hieß es in seinem Glückwunschschreiben.

Mit seinem Wahlsieg bei der Präsidentschaftswahl – zugleich erreichte das Wahlbündnis seiner AKP und der ultrarechten MHP bei zeitgleich stattfindenden Parlamentswahl die absolute Mehrheit – steht Erdoğan nun unangefochten an der Spitze des türkischen Staates. Seit Sonntag ist die politische Ordnung eine präsidiale, die Position des Ministerpräsidenten, der dem Parlament Rechenschaft schuldig ist, gibt es nicht mehr. Minister werden nun allein vom Staatschef ernannt und entlassen, der mit Dekreten zudem das Parlament umgehen kann.

Kritiker werfen Erdoğan vor, eine autokratische Herrschaft errichten zu wollen. Sein Herausforderer der Republikanischen Volkspartei CHP, Muharrem İnce, hatte versprochen, diesen Kurs umzukehren. Er konnte er seine Position im Wahlkampf zwar ausbauen, bekam letztlich aber nur etwa 31 Prozent – zu wenig, um den Amtsinhaber in eine Stichwahl zu zwingen. Die Opposition berichtete von Manipulationen.

Für Aktienhändler und Anleger ist Erdoğans Sieg vor allem ein Zeichen von Stabilität, was auch Investoren schätzen. In der Türkei stünden die Zeichen nun auf Kontinuität, schrieb etwa ein Analyst der HSBC-Bank. Das Parlament und der Präsident könnten jetzt abgestimmt agieren und in den kommenden Monaten eine auf Dauerhaftigkeit angelegte Politik betreiben. Diese Einschätzung wird offenbar von vielen geteilt. So stieg der türkische Leitindex ISE 100 in einer ersten Reaktion nach oben, und auch die türkische Lira, die in den vergangenen Monaten teils massiv an Wert verloren hatte, gewann am Morgen nach der Wahl zeitweise drei Prozent gegenüber dem Dollar hinzu und notierte kurzzeitig bei 4,54 Lira.