Angesichts der anhaltenden Gewalt im Gazastreifen will sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen am kommenden Mittwoch zu einer Dringlichkeitssitzung treffen. Das erklärte der Präsident der UN-Vollversammlung, Miroslav Lajčák, in einem Schreiben an die 193 Mitgliedsstaaten. Arabische und muslimische Länder hatten zu dem Treffen gedrängt, nachdem zwei Resolutionen im UN-Sicherheitsrat vergangene Woche nicht angenommen worden waren. Abgestimmt werden soll dem palästinensischen UN-Botschafter Rijad Mansur zufolge über eine neue Resolution, die Ermittlungen zum jüngsten Konflikt einleiten und Empfehlungen für den Schutz von palästinensischen Zivilisten geben soll.

Die Resolution ähnelt nach Angaben von Diplomaten jener, die am 1. Juni im UN-Sicherheitsrat am Veto der USA gescheitert war. Dieser Entwurf rief unter anderem zu einem Ende der israelischen Gewalt auf, regte Maßnahmen zum Schutz der palästinensischen Zivilisten an und bedauerte das Abfeuern von Raketen aus dem Gazastreifen.

Die US-Botschafterin Nikki Haley hatte den Entwurf als zu einseitig kritisiert. Während Israel für die Zusammenstöße verantwortlich gemacht werde, bleibe die den Gazastreifen regierende Hamas unerwähnt, sagte Haley. Die USA brachten ihrerseits eine Resolution ein, die der Hamas die Schuld für die jüngsten Auseinandersetzungen zuwies, diese scheiterte ebenfalls. Abstimmungen im Sicherheitsrat sind bindend, die Resolutionen der Vollversammlung haben keine rechtliche Bedeutung.

Bei Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze waren palästinensischen Angaben zufolge am Freitag erneut vier Menschen erschossen worden. Bereits seit Ende März demonstrieren Zehntausende Palästinenser an der Grenze zu Israel. Sie fordern ein Recht auf Rückkehr in das heutige israelische Staatsgebiet. Dabei gedenken sie auch der Vertreibung und Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung im Jahr 1948. 

Die Proteste richteten sich außerdem gegen die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem und gegen die seit zehn Jahren andauernde Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten. Bei heftigen Zusammenstößen mit der israelischen Armee töteten Soldaten seither mehr als 120 Palästinenser. Tausende wurden verletzt.