Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat Israel mit großer Mehrheit für die jüngste Gewalt im Gazastreifen verurteilt. Das Land solle die Gewalt gegen palästinensische Demonstranten einstellen. Von 193 Ländern stimmten 120 für die von arabischen Staaten gestützte Resolution. Acht Länder stimmten dagegen, es gab 45 Enthaltungen.

Die verabschiedete Resolution beklagt die "exzessive, disproportionale und rücksichtslose Gewalt" Israels gegenüber den Palästinensern. Auch das Feuern von Raketen aus dem Gazastreifen wird verurteilt, die Hamas allerdings nicht explizit erwähnt. Die Resolution ist – wie alle Resolutionen der UN-Vollversammlung – rechtlich nicht bindend. Sie fordert jedoch UN-Generalsekretär António Guterres auf, Empfehlungen für einen "internationalen Schutzmechanismus" für die besetzten palästinensischen Gebiete zu erarbeiten. Die Resolution wurde von Algerien, der Türkei und den Palästinensern eingebracht, nachdem eine ähnliche Resolution im UN-Sicherheitsrat am Veto der USA gescheitert war.

Die USA brachten in letzter Minute einen Antrag ein, die radikalislamische Hamas für die Gewalt zu verurteilen. Diese Ergänzung zur Resolution bekam jedoch nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. US-Botschafterin Nikki Haley protestierte gegen die von arabischen Staaten eingebrachte Resolution und nannte sie "komplett einseitig". Ihre Verabschiedung reflektiere das "moralisch bankrotte Urteil, dass die jüngste Gewalt im Gazastreifen allein Israels Schuld ist".

An der Gaza-Grenze kam es in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Seit Ende März sind dort nach palästinensischen Angaben mehr als 120 Menschen von israelischen Soldaten getötet worden. Tausende wurden verletzt. Nach palästinensischer Darstellung handelte es sich bei den Demonstranten überwiegend um unbewaffnete Zivilisten. Israelischen Angaben zufolge waren viele der Getöteten Extremisten.