Grenzschutzbehörden in den USA müssen innerhalb von 30 Tagen illegal ins Land gekommene Familien zusammenführen, die zuvor getrennt worden waren. Das ordnete ein Richter in San Diego an und erließ zugleich eine landesweite einstweilige Verfügung gegen künftige Familientrennungen; es sei denn, Eltern würden als ungeeignet eingestuft oder wollten nicht mit ihrem Nachwuchs wiedervereint werden.

Demnach sollen Kinder unter fünf Jahren innerhalb von 14 Tagen zu ihren Eltern zurückgebracht werden. Darüber hinaus muss allen Kindern erlaubt werden, innerhalb von zehn Tagen mit den Eltern sprechen zu können. In seiner  Anordnung wies der Richter die US-Behörden zudem an, innerhalb von zehn Tagen einen Telefonkontakt zwischen den getrennten Familienmitgliedern sicherzustellen.

Telefonkontakt innerhalb von zehn Tagen

Die Anordnung folgt auf eine Klage der Bürgerrechtsorganisation Aclu. Dabei geht es um ein siebenjähriges Mädchen, das von seiner kongolesischen Mutter getrennt wurde. Klage reichte die Organisation auch wegen des Falls einer Mutter aus Brasilien ein, der ihr 14-jähriger Sohn weggenommen wurde. Aclu-Anwalt Lee Gelernt begrüßte das Urteil aus San Diego: "In allen Haftanstalten im Land werden Tränen fließen, wenn die Familien erfahren, dass sie zusammengeführt werden".

Seit Wochen wird in den USA über das Schicksal der Minderjährigen diskutiert, die gesondert von ihren illegal eingewanderten Familien in US-Behördeneinrichtungen untergebracht worden sind. Mehr als 2.000 Kinder sind von dieser Maßnahme betroffen, die die US-Regierung im Rahmen ihrer Null-Toleranz-Politik gegen illegale Einwanderer erlassen hatte. Unter dem Druck auch aus den eigenen Reihen lenkte US-Präsident Donald Trump inzwischen ein und stoppte die Familientrennungen per Dekret. Er entschied, dass Eltern und Kinder künftig gemeinsam inhaftiert werden sollen. Die mehr als 2.000 zuvor internierten Kinder sind aber auch weiterhin von ihren Eltern getrennt – einige Hunderte Kilometer entfernt.

"Kommt nicht in die USA"

Wegen dieser Politik verklagten nun auch eine Reihe von US-Bundesstaaten die Regierung in Washington. In dem bei einem Bundesbezirksgericht in Seattle eingereichten Schreiben warfen 17 Staaten und der Regierungsbezirk Columbia der Regierung von Präsident Donald Trump ein verfassungswidriges Vorgehen vor. Es sei gegenüber Einwanderern aus Lateinamerika angetrieben "von Feindseligkeit und einem Verlangen, Schaden zuzufügen", hieß es.

Die restriktive Linie seiner Regierung unterstrich US-Vizepräsident Mike Pence während seiner Lateinamerikareise. "Setzt nicht euer Leben und das eurer Kinder aufs Spiel beim Versuch, in die Vereinigten Staaten zu kommen", appellierte er an die Menschen in der Region, nachdem er den brasilianischen Präsidenten Michel Temer in Brasília getroffen hatte. "Kommt nicht, wenn ihr nicht die Bedingungen erfüllt, um legal einzuwandern. Baut euch euer Leben in eurer Heimat auf."