Die Vereinigten Staaten führen die Welt wieder an – "U.S. leadership is back on the world stage" –, hieß es jüngst aus dem Außenministerium in Washington. Das war noch vor dem zweifellos epochalen Freundschaftsgipfel mit dem nordkoreanischen Lieblingsfeind Kim Jong Un. Allerdings auch, bevor Donald Trump aus gekränktem Ego die dürftigen Gemeinsamkeiten mit den Partnern der G7-Runde im Nachhinein kurzerhand in die Tonne trat. Schon vor diesen zwei wegweisenden Treffen war die Frage, die sich nun umso mehr stellt: Wer soll das glauben? 

Die G7 hat Trump als G6-gegen-1 zurückgelassen, alte Verbündete in eine unnötige Feindschaft gezwungen – für ihn war das nur ein lästiger Zwischenstopp auf dem Weg zu Kim. Doch so groß die Hoffnung auch sein mochte, der Gipfel in Singapur könne eine echte Wende in der Nordkoreapolitik bedeuten – ebenso groß waren die Bedenken: Trump setzte alles auf ein symbolisch extrem aufgeladenes Treffen, dessen inhaltliche Vorbereitung seriös kaum zu leisten war in der Eile, die er an den Tag legte. Die zwischenzeitliche Absage schien vielen Beobachtern da die sicherere Lösung. Das Vertrauen insbesondere in die angeblichen Dealmaker-Qualitäten des US-Präsidenten ist außerhalb des Weißen Hauses jedenfalls nicht sonderlich verbreitet, das G7-Debakel hat es nicht besser gemacht. Und die Skepsis wird im Falle Nordkoreas schnell zur wohlbegründeten Angst vor einer nuklearen Eskalation.

Der Gipfel in Singapur ist zunächst ein diplomatischer Coup, der auch Trumps fehlender strategischer Geduld zuzuschreiben ist. Seine verwegene Unberechenbarkeit hat ihren Teil dazu beigetragen, dass es überhaupt substanzielle Gespräche gibt und nicht bloß eine Kaskade der Abschreckung. Wer die Kritik an seiner Wahl der Worte und Kommunikationswege für einen Moment herunterschluckt, muss anerkennen: Das Zusammenspiel von härtester Sanktionspolitik und glaubhaften militärischen Drohungen bei gleichzeitig angedeuteter Bereitschaft zu Verhandlungen hat – ungeachtet allen Getöses und der damit verbundenen realen Risiken – eine Chance eröffnet, die jahrelang undenkbar schien. Kim will einen Deal, das ist kein geringer Schritt.

Nordkorea-Gipfel - "We'll meet again" Am Ende des Gipfels begaben sich Kim Jong Un und Donald Trump vor die Presse. Der US-Präsident lobte Kim als "großartige Persönlichkeit". Der Auftritt im Video © Foto: Pool / Reuters

Nordkoreas Diktator hat schlicht erkannt, dass er die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes und das Überleben seines Regimes nur absichern kann, wenn er Zugeständnisse macht. Wie weit er dabei geht, ist eine andere Frage. Erst recht, was er dafür will. Denn so herum lässt es sich auch sehen: Kim hat die Welt mit den Fortschritten seines Waffenprogramms zu Verhandlungen gezwungen. Und dass Trump die Einladung zu einem persönlichen Rendezvous angenommen hat, war bereits ein erster Triumph für den Diktator in Pjöngjang – diese ultimative Anerkennung Nordkoreas auf internationaler Ebene ist vorerst nicht reversibel.

"Spitzenklasse"

Trump ist also in Vorleistung gegangen, womöglich ohne Not. Er wagt viel, weil er den schnellen, ja den einfachen Erfolg will – der sich in den Verlautbarungen und mehr noch den Szenen dieses Gipfels manifestiert. "Bekommt jeder ein gutes Bild? Also, sehen wir freundlich, attraktiv und dünn aus? Perfekt", rief Trump den Kameraleuten zu, nichts war wichtiger. Dass er jedes Ergebnis ungleich des Scheiterns als weltbewegende Errungenschaft verkaufen würde, war ebenso schon vorher klar: "Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse", sagte Trump in Singapur und hielt am Ende fest, von dem Treffen gehe eine "Botschaft der Hoffnung" und eine "Vision des Friedens" für die Welt aus.

Die Inszenierung war perfekt, was für den Augenblick sogar legitim ist. Schließlich hätte das Treffen auf mehr als eine Art scheitern und die Annäherung in der Nuklearfrage weit zurückwerfen können. Das zumindest lässt sich sagen: Der Anfang ist gemacht, und es war kein Fehlstart. Kims "festes und unerschütterliches Bekenntnis" zur Denuklearisierung (wie auch immer das gemeint ist) im Gegenzug für Sicherheitsgarantien (dito) ist aber erst einmal ein unverbindliches Dokument für die Archive. Der wirklich harte Teil kommt erst noch, und Trump wird dabei noch manches Mal auf die Probe gestellt werden. Ein effektiver und transparent nachvollziehbarer Weg zur nuklearen Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel wäre sicher ein Werk von Monaten bis Jahren komplexer Verhandlungen. Und dafür braucht es eine langfristige Strategie, Geduld – und ein Mindestmaß an Vertrauen auf beiden Seiten.

Dem Regime in Nordkorea ist kaum zu trauen, nachdem es schon so oft Versprechen über sein Atomprogramm gebrochen hat. Auf der anderen Seite hat aber auch Kim wenig Anlass, jetzt treuherzig zu glauben, dass ein eventueller Deal auch Bestand haben wird. Dieses Vertrauen hat Trump im Grunde weitgehend verspielt, als er das Nuklearabkommen mit dem Iran verließ. Und wie auch immer er im Konflikt mit Nordkorea weiter vorgehen will, ohne Verbündete erreicht er in jedem Fall weniger – möglich, dass er die Hilfe jener braucht, denen er derweil einen Handelskrieg aufzwingt.

Trump macht nicht in jeder Krise alles falsch. Aber er macht es sich selbst auch nicht leichter, die ersehnten Erfolge zu erzielen, wenn er nicht erkennt, dass vieles zusammenhängt: der eine Deal mit dem anderen, der globale Führungsanspruch und der Umgang mit Verbündeten, und nicht zuletzt Worte und Taten. Wenn America First bedeutet, die Interessen des eigenen Landes an die erste Stelle zu setzen, ist das noch kein Fehler. Es ist aber einer, wenn Trump überall bloß noch Feinde sieht, manche davon dennoch umgarnt und jahrzehntealte Freunde verprellt.