In der Türkei hat Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan nach offiziellen Angaben die Präsidentenwahl gewonnen.  "Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Herr Recep Tayyip Erdoğan die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhalten hat", sagte der Chef der Wahlkommission Sadi Güven. Fast alle Stimmen seien ausgezählt. "Die Zahl der Stimmen, die noch nicht vom System erfasst wurden, werden das Ergebnis nicht beeinflussen." Eine Stichwahl ist demnach nicht notwendig.

Anhänger von Erdoğans Partei AKP feierten in der Nacht den Wahlsieg des Amtsinhabers. Auch in Berlin bildete sich ein Autokorso mit jubelnden Erdoğan-Wählern. Die größte Oppositionspartei CHP rief ihre Anhänger dazu auf, Ruhe zu bewahren. Das Volk solle sich "nicht provozieren lassen", sagte CHP-Sprecher Bülent Tezcan.

Erdoğan hatte die Abstimmung um mehr als ein Jahr vorgezogen. Damit sollte der Umbau hin zu einem Präsidialsystem beschleunigt werden. Nach der Verfassungsänderung hat Erdoğan künftig weitreichende Befugnisse. Er wird ohne Ministerpräsident an der Spitze der Regierung stehen und kann mit Dekreten das Parlament teilweise umgehen.

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Mathias Peer
Erdoğan hat in der Zentrale seiner Partei in Ankara seine Siegesrede gehalten. Er dankte vor jubelnden Anhängern seinen Unterstützern: "Siegerin dieser Wahl ist die Demokratie und jeder unserer 81 Millionen Bürger." 
Mathias Peer

Die Wahlkommission bestätigt jetzt offiziell den Sieg von Recep Tayyip Erdoğan. Erdoğan habe "die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhalten", sagte der Chef der Wahlkommission, Sadi Güven. Es seien zwar noch nicht alle Stimmen ausgezählt, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die übrigen Stimmen könnten das Ergebnis aber nicht mehr drehen.

Mathias Peer
Die CHP, die größte Oppositionspartei in der Türkei, ruft ihre Anhänger dazu auf, Ruhe zu bewahren. Wie auch immer das Endergebnis ausfalle, das Volk solle sich "nicht provozieren lassen", sagte CHP-Sprecher Bülent Tezcan. Die Auszählungen seien noch nicht abgeschlossen. Der CHP-Präsidentschaftskandidat Muharrem İnce schrieb auf Twitter, dass er sich am Montagvormittag zum Wahlausgang äußern will. 
Vanessa Vu
Wird Recep Tayyip Erdoğan noch heute Nacht eine Rede halten? Zunächst hieß es, die Rede werde vertagt. Kurz vor Mitternacht meldete der Twitter-Account der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, Erdoğan werde auf dem Balkon der AKP-Zentrale in Ankara die Rede halten. Eine Uhrzeit nannte Anadolu aber nicht. Die Auszählung ist noch immer nicht beendet.
Vanessa Vu
Die Auszählung der Stimmen aus Deutschland dauert noch an.  Derzeit sind 42,8 Prozent der Wahlurnen aus Berlin geöffnet, das berichtet der türkische Sender NTV unter Berufung auf Zahlen der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.


Demnach stimmten 52,5 Prozent in Berlin bei der Präsidentschaftswahl für Recep Tayyip Erdoğan und 32,0 Prozent für seinen Herausforderer Muharrem İnce. In Düsseldorf kommt Erdoğan nach Öffnung von 63,0 Prozent der Urnen sogar auf 70,4 Prozent.

In Deutschland konnten türkische Wahlberechtigte in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Mainz, München, Münster, Nürnberg und Stuttgart abstimmen. In Deutschland lebt rund die Hälfte aller türkischen Wahlberechtigten im Ausland (1,44 Millionen).

Frida Thurm
Den ganzen Abend über hat die Oppositionsplattform Adil Seçim Zahlen genannt, die stark von denen der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu abwichen. Nun sind sie fast identisch: 96 Prozent der Urnen seien ausgezählt, Erdogan erhalte 52 Prozent der Stimmen.

Nun warten wir noch auf das offizielle Ergebnis der Wahlkommission.
Claudia Bracholdt
Dieses Video zeigt weitere Ausschnitte aus der Rede von Recep Tayyip Erdoğan. Der türkische Präsident sprach unter anderem über den freien Willen der Wähler und Wählerinnen. Die Wahlbeteiligung sei sehr hoch gewesen, die Türkei habe der Welt eine Demokratiestunde erteilt.

"Die Türkei hat der Welt eine Demokratiestunde erteilt"
Hasan Gökkaya

Betrübte Stimmung im säkularen Beşiktaş. In dem Istanbuler Stadtteil ist die CHP besonders beliebt. Junge Frauen und Männer sitzen noch in Bars. Sie hören Musik, trinken Bier oder Tee. "Die Hoffnung, dass die Wahlkommission noch einlenkt und den Sieg Erdoğans aberkennt, haben wir nicht mehr. So läuft das doch immer in der Türkei. Die Menschen denken schon lange nicht mehr mit", sagte mir ein 28-Jähriger.

Funda Ağırbaş

Am Kottbusser Tor in Berlin hat sich ein Autokorso aus siegessicheren AKP-Anhängern gebildet. Hupend fahren sie an der nahegelegenen HDP-Wahlveranstaltung vorbei. Am Straßenrand stehen wütende HDP-Wähler. Einer zeigt den Mittelfinger und ruft "Scheiß Nazis!" In der Nähe knallt etwas. Wieder fahren wehende Türkei-Fahnen vorbei.

Wie die wahlberechtigten Türkinnen und Türken in Deutschland abgestimmt haben, ist noch unklar.

Laut dem türkischen Sender NTV, der sich auf Anadolu stützt, wurden bislang 31,2 Prozent der Wahlurnen aus Berlin geöffnet. Demnach stimmten bei der Präsidentschaftswahl 52,2 Prozent für Erdoğan und 32,2 Prozent für seinen Herausforderer Muharrem İnce. Das entspricht in etwa dem Wahlverhalten der Türken in der Türkei, wenn man den vorläufigen Zahlen der staatlichen Nachrichtenagentur glaubt.

Ich hatte vor der Wahl mit einigen Wählerinnen und Wählern in Berlin gesprochen. Hier können Sie ihre Aussagen nachlesen:

Wen wählen in Deutschland lebende Türken? Und warum? Kurz vor der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in der Türkei haben wir einige von ihnen gefragt. "Natürlich wähle ich die AKP! Bisher habe ich alles, was die Partei zustande gebracht hat, unterstützt. Das werde ich auch weiterhin tun, weil es gut ist, wie Erdoğan vorgeht!
ZEIT ONLINE | Funda Ağırbaş
Vanessa Vu

Herausforderer Muharrem İnce von der CHP war den ganzen Abend lang erstaunlich still. Nun twitterte er, er werde eine Erklärung abgeben, nachdem die Hohe Wahlkommission die Wahlergebnisse verkündet hat. Ob das ein Seitenhieb gegen Erdoğan war, der bereits vor Verkündung eines amtlichen Endergebnisses seinen Sieg erklärte?