Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat seine Äußerungen zu einer "Achse der Willigen" in der Flüchtlingspolitik von Rom über Wien nach Berlin verteidigt. "Ich fand die Aufregung darüber merkwürdig", sagte Kurz im Gespräch mit Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo (siehe Video unten ab Minute 15). "'Achse' ist mein normaler Sprachgebrauch."

Kurz wies darauf hin, dass der Begriff im europäischen Kontext häufiger verwendet werde. "In der EU spricht man auch von der Achse Berlin-Paris", sagte der ÖVP-Politiker. Um die Diskussion zu beenden, würde er nun aber eher das Wort "Allianz" verwenden. Allerdings: "Ich lasse mir Wörter wie 'Achse' und 'Heimat' nicht von den Nazis nehmen."

Mit Blick auf das informelle Arbeitstreffen der 16 EU-Staaten zur europäischen Asylpolitik am Sonntag in Brüssel sagte Kurz, keine großen Hoffnungen auf ein "großes Ergebnis" zu haben. Man solle die Erwartungen "nicht in den Himmel schrauben". Kurz mahnte die EU-Staaten, sich vor allem auf die Themen zu fokussieren, über die es Konsens gebe, etwa die Stärkung der Grenzschutzbehörde Frontex.

Der österreichische Kanzler äußerte auch Zweifel an den von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) favorisierten bilateralen Abkommen zwischen Deutschland und anderen EU-Staat. Er wisse nicht recht, worauf solche Abkommen zielen oder was sie bewirken sollten. "Das Regelwerk in der EU ist klar." So schreibe schon jetzt europäisches Recht vor, dass ein ankommender Flüchtling im ersten EU-Staat, den er erreicht, registriert werden müsse.

Kurz verteidigte auch das Vorhaben des deutschen Innenministers Horst Seehofer (CSU), ankommende Flüchtlinge an der deutschen Grenze abzuweisen. Allerdings rechnet er nach eigenen Worten mit einem Domino-Effekt entlang der Route bis hin zu den EU-Außengrenzen. "Wir würden dann mit voller Konsequenz auch unsere Grenzen sichern, alle werden im Gleichklang dasselbe tun." Damit würde es Ländern wie Griechenland nichts mehr bringen, ankommende Flüchtlinge einfach "weiterzuwinken" – und zugleich werde es für Schlepper etwa in Nordafrika wesentlich schwerer, eine Überfahrt über das Mittelmeer zu verkaufen, wenn ein Flüchtling Zweifel habe, noch in sein gewünschtes Zielland Deutschland, Österreich oder Schweden zu gelangen. Am Ende würden sich also weniger auf den Weg nach Europa machen, sagte Kurz.

Kurz verfolgt die Idee, in Ländern außerhalb Europas, etwa in Nordafrika, sogenannte Auffangzentren einzurichten, in denen Flüchtlinge ihre Asylanträge stellen sollen. Ihm sei aber bewusst, dass man dazu diesen Ländern etwas bieten müsse: "Es ist eine Frage des Preises." Man irre, wenn man glaube, dass Länder aus reiner Nächstenliebe solche Hotspots einrichteten.