Russlands Präsident Wladimir Putin spricht sich für eine stärkere politische Zusammenarbeit mit der EU aus und wehrt sich gegen Vorwürfe, sein Land strebe eine Spaltung der Staatengemeinschaft an. "Wir verfolgen nicht das Ziel, etwas oder jemanden in der EU zu spalten", sagte er kurz vor seinem Besuch in Wien in einem Interview mit dem österreichischen Sender ORF. "Wir sind vielmehr daran interessiert, dass die EU geeint ist und floriert, weil die EU unser wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner ist."

Putin wandte sich auch gegen mutmaßliche Verbindungen seiner Partei Vereintes Russland mit der rechtspopulistischen FPÖ in Österreich, die dort an der Regierungskoalition beteiligt ist. Auch Kontakte zu EU-kritischen Parteien sind laut Putin nicht als Destabilisierungsversuch zu werten. "Wir müssen im Gegenteil die Kooperation mit der EU ausbauen", sagte er. "Je mehr Probleme es innerhalb der EU gibt, desto größer sind die Risiken und Unsicherheiten für uns." Über Kooperationen mit der FPÖ, dem französischen Front National oder der deutschen AfD werde in Russland pragmatisch entscheiden.

An diesem Dienstag wird Putin zu einem eintägigen Arbeitsbesuch in Österreich erwartet. Es ist der erste Besuch des russischen Präsidenten in einem EU-Land seit seiner Wiederwahl im März. Vorgesehen ist unter anderem ein Treffen mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz, mit dem Russlands Präsident unter anderem über die Ukraine-Krise, die gegenseitigen Wirtschaftssanktionen und die allgemeine weltpolitische Lage beraten will.

Für Putin ist es der sechste Besuch in der österreichischen Hauptstadt, wo sich die Regierung gern als diplomatische Brückenbauerin zwischen Ost und West versteht. So wirbt Bundeskanzler Kurz einerseits für schrittweise Annäherung, trägt aber andererseits die harte EU-Haltung gegenüber Russland wegen der Krim-Annexion mit. Zudem wies Österreich im Gegensatz zu vielen anderen Staaten keine russischen Diplomaten aus, nachdem Großbritannien die russische Regierung für den Giftanschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal verantwortlich gemacht hatte.

In dem Interview betonte Putin jetzt die guten Kontakte zu Österreich, das zwar der EU, aber nicht der Nato angehört. "Auch in den letzten Jahren ist der Dialog trotz aller Schwierigkeiten nicht abgerissen", sagte er.