Die Fußball-WM in Russland, der Fall Skripal und die hohen Benzinpreise: Bei der jährlichen mehrstündigen Sendung dürfen Bürgerinnen und Bürger Russlands Präsident Wladimir Putin Fragen stellen. Die Fragestunde begann am Vormittag und wird live ausgestrahlt. Die Fragen waren dem Präsidenten vorab bekannt, vieles an der Sendung ist inszeniert. Doch lassen die Fragen Rückschlüsse auf die Sorgen der russischen Bürgerinnen und Bürger zu.

Der Beginn der Fragestunde war der wirtschaftlichen Entwicklung Russlands gewidmet. Das Land befinde sich in diesem Bereich auf einem guten Weg, sagte Putin. Trotz internationaler Sanktionen würden die Exporte steigen, die Inflation sei niedrig, viele Bewohnerinnen und Bewohner Russlands würden vom Aufschwung unmittelbar in ihrem Alltag profitieren. Zudem erhöhe sich die Lebenserwartung stetig, sagte der Präsident. "Wir haben die Kurve hin zu einem robusten Wirtschaftswachstum in Russland genommen", das Wachstum sei zwar niedrig, aber es sei auch kein Rückgang.

Die USA, die EU und andere westliche Verbündete hatten 2014 Sanktionen gegen Russland verhängt. Sie waren eine Reaktion auf die Annexion der Halbinsel Krim und auf die Unterstützung für Separatisten in der Ostukraine. Seitdem ist das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen schwer belastet. Auch heute noch würde der Westen Russland als Bedrohung und als Konkurrenten betrachten, sagte Putin. Durch einseitige Sanktionen würden aber keine Probleme gelöst. Der Westen wolle durch Strafmaßnahmen und Vorwürfe des Fehlverhaltens die Entwicklung Russland hemmen, so Putin.

Der Präsident verwies auf die Zerrissenheit des Westens, die sich an den US-Sanktionen gegen die EU, Kanada und Mexiko ablesen lasse. Die USA verfolgten dabei nationale Interessen, während die EU sich dagegen wehre, sich die Regeln der USA aufdrücken zu lassen. Die US-Zölle seien in Wirklichkeit Sanktionen, sagte Putin. Notwendig seien aber internationale Regeln, damit die Weltwirtschaft weiter floriere.

Putin zweifelt an Kampfstoffeinsatz bei den Skripals

Das Verhältnis zwischen den westlichen Staaten und Russland ist auch wegen des Giftanschlages auf Sergej und Julija Skripal im März im britischen Salisbury angespannt. Der Fall löste eine diplomatische Krise aus, eine Vielzahl westlicher Staaten verwies russische Diplomaten des Landes, weil sie Russland hinter dem Anschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten und seine Tochter vermuten. Der Fall Skripal kam in der Fragestunde kurz zur Sprache. Putin sagte, er zweifele daran, dass die Skripals tatsächlich mit einem Kampfstoff in Kontakt kamen, denn "dann wären diese Menschen noch am selben Ort gestorben", sagte Putin. Einmal mehr forderte er Zugang zu den Ermittlungen, die in Großbritannien durchgeführt werden.

Ein Zuschauer warf Putin vor, nicht fähig zu sein, die Benzinpreise niedrig zu halten. "Wir haben Ihnen am 18. März das Vertrauen geschenkt", sagte der Lastwagenfahrer, der live zugeschaltet wurde. Er erwarte vom Präsidenten, dass er sich dieses Problems annehme, sagte der Mann. In der Folge verwies Putin auf seinen Minister für Energiewirtschaft, Alexander Nowak, der live zugeschaltet wurde. Dieser sagte, es seien mehrere Maßnahmen getroffen, um die Preise wieder zu senken. Sie seien am 1. Juni in Kraft getreten.

"Lassen Sie den Fußball nicht im Stich", appellierte ein ehemaliger russischer Profispieler an Putin. Dieser versprach, dass die elf WM-Stadien und die gesamte Infrastruktur nach dem Ende der Weltmeisterschaft weiter genutzt würden. "Sportclubs, Cafés, spezielle Räume für Sport- und Körperkultur" – es gebe eine Vielzahl an Möglichkeiten für eine Weiternutzung. Er verwies auf seine "Kollegen in den Regionen", die sich darum kümmern müssten. Auch der russische Fußballverband sei in diesem Punkt gefragt. Wichtig sei insbesondere die Jugendförderung, um eine neue Generation an die Nationalmannschaft heranzuführen.

Verantwortung tragen die Regionen

Immer wieder verwies Putin auf die Regionen, in deren Verantwortung spezifische Probleme der Bürger fielen. So etwa die Frage einer Frau, die seit Jahren darauf warte, ein kostenloses Grundstück zu bekommen, wie es der Staat für Großfamilien versprochen habe. Zudem kündigte der Präsident an, er werde alle Minister persönlich in die Verantwortung nehmen, um die Ziele der Regierung zu erreichen.

Angesprochen auf eine mögliche Schließung sozialer Medien wie YouTube oder Facebook sagte Putin, die Fragen der Sicherheit würden immer im Vordergrund stehen. Terroristen würden soziale Netzwerke wie Telegram nutzen. "Was würden Sie an meiner Stelle machen?", fragte Putin.

Die Frage, ob die Welt vor einem dritten Weltkrieg stehe, konterte Putin mit dem Einstein-Zitat: "Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen." Gleichzeitig kündigte der Präsident an, Russland werde die Rechte russischer Bürgerinnen und Bürger in den baltischen Staaten verteidigen. Dies werde auf eine Art und Weise geschehen, damit russische Mitbürger im Ausland keinen Schaden nähmen.