In der ostafghanischen Provinzhauptstadt Dschalalabad halten Bewaffnete nach einem Angriff auf ein Regierungsgebäude zahlreiche Menschen als Geiseln fest. Mindestens acht Menschen sollen verletzt worden sein. 40 Menschen sollen noch in dem Gebäude festsitzen, wie ein Mitglied des Provinzrates mitteilte.

Es habe mindestens zwei Explosionen gegeben, bevor die Angreifer auf das Gelände des Amts für Flüchtlingsangelegenheiten vorgedrungen seien. Vor dem Anschlag sollen sich in dem Gebäude Vertreter ausländischer Organisationen sowie Geldgeber mit Behördenmitarbeitern getroffen haben, sagte der Sprecher der Provinzregierung, Attaulla Chogiani. Eine große Zahl von Menschen sei gerettet worden, darunter auch der Direktor der Behörde.

Laut einem Augenzeugen soll ein schwarzes Auto drei bewaffnete Männer am Eingangstor des Flüchtlingsamtes abgesetzt haben. "Einer der Männer sprengte sich in die Luft und die zwei anderen drangen ins Gebäude ein", sagte der Zeuge der Nachrichtenagentur AFP. In dem Gebäude brach ein Feuer aus. Es waren Schüsse und Explosionen von Handgranaten zu hören.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Angriff. Die Taliban teilten mit, sie hätten nichts mit dem Überfall zu tun. In der Nähe des Gebäudes befinden sich auch die Büros zahlreicher internationaler Organisationen.

Acht Menschen wurden bei Anschlag auf Reisebus getötet

In Dschalalabad wurden in den vergangenen Monaten bei Anschlägen Dutzende Menschen getötet. Zuletzt hatten Bewaffnete am Samstag ein Ausbildungszentrum für Hebammen angegriffen und dabei mindestens zwei Menschen getötet.

Zudem kamen in der westafghanischen Provinz Farah acht Menschen ums Leben, als ein Sprengsatz einen Reisebus traf. Nach Polizeiangaben wurden dabei 40 Menschen verletzt. Laut afghanischer Polizei sei der Sprengsatz "deponiert worden, um Sicherheitskräfte zu treffen". Laut Polizei könnten hinter diesem Anschlag die radikalislamischen Taliban stecken, die in dieser Provinz sehr aktiv sind.

Zivilisten leiden seit 17 Jahren besonders unter dem Konflikt in Afghanistan und werden häufig Opfer von Selbstmordattentaten und Bombenanschlägen. Selbst gebaute Sprengsätze waren im ersten Halbjahr 2018 für 877 zivile Opfer verantwortlich, darunter 232 Tote und 645 Verletzte. Vor zwei Wochen hatte die UN-Mission in Afghanistan (Unama) mitgeteilt, dass die Zahl der getöteten Zivilistinnen und Zivilisten zwischen Januar und Juni mit 1.692 einen neuen Höchststand erreicht habe. In Afghanistan wird im Herbst ein neues Parlament gewählt. Die Taliban und die IS-Miliz wollen alles daran setzen, die Wahlen zu sabotieren.