Bei einem Selbstmordanschlag vor dem Ministerium für ländliche Entwicklung in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mehrere Menschen getötet worden. Die Polizei spricht von mindestens sieben Toten und mindestens fünfzehn Verletzten. Vertreter des Ministeriums hatten zunächst mitgeteilt, mindestens sechs Menschen seien getötet und zwölf verletzt worden.

Die Explosion ereignete sich, als viele Beamte zum Feierabend das Ministeriumsgebäude verließen. Einem Polizeisprecher zufolge zündete der Attentäter eine Sprengstoffweste. Zu dem Anschlag bekannte sich nach Angaben des US-Unternehmens Site die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" über das das IS-Propagandaorgan Amaq. Site ist auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisiert.

Die Behörde wurde zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit Ziel eines Anschlags: Am 11. Juni hatte sich ein Attentäter in die Luft gesprengt und dabei 13 weitere Menschen getötet. Die IS-Miliz hatte sich auch zu diesem Anschlag bekannt. 

Zahl getöteter Zivilisten erreicht neuen Höchststand

Die Anzahl der getöteten Zivilisten in dem Land hatte zuletzt einen Höchststand erreicht: Den Vereinten Nationen zufolge kamen im ersten Halbjahr 2018 mehr als 1.600 Unbeteiligte ums Leben – ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Sie starben demnach bei Luftangriffen, Selbstmord- oder Bombenanschlägen. Im Jahr 2017 waren nach UN-Angaben insgesamt 3.438 Zivilisten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Wegen der angespannten Lage sind Abschiebungen afghanischer Staatsangehöriger in ihr Herkunftsland umstritten. Die Bundesregierung hatte dennoch im Juni entschieden, Beschränkungen für Abschiebungen aufzuheben. Diese Woche hatte sich ein 23 Jahre alter Mann in Kabul selbst getötet, nachdem er aus Deutschland abgeschoben worden war. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte den Abschiebeflug zunächst als Erfolg gefeiert, äußerte sich nach dem Tod des Mannes aber bestürzt über den Suizid.