Vertreter der US-Regierung haben laut Medien erstmals direkte Gespräche mit den radikalislamischen afghanischen Taliban geführt. Das Treffen habe dieses Woche stattgefunden, sagte ein ranghoher Talibanführer der Nachrichtenagentur AP. "Die Diskussion war vorbereitend, anfänglich, und beide diskutierten ein zukünftiges Treffen und Kontakte", sagte einer der Männer. Ein weiteres Treffen sei noch nicht vereinbart worden, er sei sich aber sicher, dass es eines geben werde.

Auch die New York Times berichtete unter Berufung auf zwei Talibanvertreter von dem Treffen, bei dem es um einen Friedensprozess für Afghanistan gegangen sein soll. Demnach fanden die Gespräche mit der US-Südasien-Gesandten Alice Wells und weiteren US-Diplomaten im Golfstaat Katar statt. Die Taliban fordern schon seit Langem direkte Verhandlungen mit den USA.

Das US-Außenministerium dementiere die Gespräche laut New York Times nicht. Stattdessen wurde in einem Briefing des Außenministeriums von dieser Woche eine Reise Wells' nach Katar bestätigt. Die Taliban unterhalten in der Hauptstadt Doha ein halboffizielles Büro.

Der stellvertretende Leiter des Hohen Friedensrates in Kabul, Ataullah Salim, sagte, ihm lägen keine Informationen über Gespräche der Amerikaner mit den Taliban in Doha vor. Es solle aber Direktgespräche jeder Partei geben und "wir werden jeden Schritt begrüßen, der zu innerafghanischen Gesprächen führt", sagte er.

Bereits vor rund zwei Wochen hatte die New York Times berichtet, die Regierung von US-Präsident Donald Trump habe ihre Topdiplomaten angewiesen, direkte Gespräche mit den Taliban zu suchen, um den Krieg in Afghanistan zu beenden. Dies wäre eine signifikante Änderung der US-Politik. Bisher hatten die USA Verhandlungen ausgeschlossen und den Standpunkt vertreten, die Taliban sollten direkt mit der afghanischen Regierung verhandeln. Ein Friedensprozess müsse unter afghanischer Führung stattfinden. Die Taliban lehnen bislang Gespräche mit der afghanischen Regierung ab und bezeichnen sie als Marionettenregime.