Nach dem Amoklauf in Parkland, Florida, im Februar waren Hunderttausende in den USA auf die Straßen gegangen, in Hunderten Städten demonstrierten Menschen für strengere Waffengesetze, vor allem viele junge Amerikanerinnen und Amerikaner waren dabei. Sie ließen sich aufrütteln von den überlebenden Mitschülerinnen und Mitschülern der Opfer, die nicht einfach nur den Tod betrauern wollten, stattdessen ihre Wut politisch machten und den "Marsch für unser Leben" anführten.

Der Versuch, sich nach der zigsten solcher Taten endlich Gehör zu verschaffen, erfuhr viel Solidarität und Sympathie. Und doch blieb die Skepsis, dass sich damit wirklich etwas ändern würde. So oft waren dieselben Forderungen erhoben worden, so oft waren politische Versprechungen gemacht worden, nach jedem einzelnen Amoklauf. Passiert ist im Grunde nichts, obwohl sich längst eine gesellschaftliche Mehrheit für striktere Kontrollen der Käufer, höhere Altersgrenzen oder stärkere Einschränkungen, etwa für Sturmgewehre, ausspricht – die Waffenlobby setzte sich bislang noch immer durch.

Wenn nun also der damalige Frust nicht direkt zu Veränderungen geführt hat, ist das wenig überraschend. Es war ja zu erwarten, dass nicht an jedem verdammten Wochenende wieder und wieder Hunderttausende junger Leute den Protest auf die Straße bringen würden, solange bis die Politik sich endlich bewegt. Aber die Generation Parkland, zu der die aufkeimende Bewegung vielleicht vorschnell hochgeschrieben wurde, ist auch nicht einfach verschwunden. Sie wird zu großen Teilen im November alt genug für die Kongresswahl sein. Diejenigen, die sich nach dem "Marsch für unser Leben" weiter engagieren, wollen genau dazu mit ihren Aktivitäten im Kleinen animieren.

Der Blick auf die Wahl liefert tatsächlich einen ersten deutlichen Hinweis darauf, dass sich seit dem Amoklauf von Parkland etwas bewegt hat. Dass aus der Protestwut ein politischer Gestaltungswille gewachsen ist, der sich inzwischen messen lässt. Das amerikanische Consultingunternehmen TargetSmart hat jüngst Daten aus einem Großteil der US-Bundesstaaten zur Wählerregistrierung ausgewertet und festgestellt: Seit der Tat und den Protesten sind die Registrierungsraten genau der Wählergruppe von 18 bis 29 Jahren, die sich mit der Generation Parkland deckt, signifikant angestiegen. Der Anteil dieser jungen Wähler an allen neu registrierten Wählern wuchs in den vergangenen sieben Monaten landesweit um 2,16 Prozent.

Während die Wahlmotivation der jungen Wählerinnen in den USA für gewöhnlich recht treffend als träge zu beschreiben ist – wie in vielen Demokratien –, sind die Zahlen aus manchen Bundesstaaten noch weit beachtlicher als der Schnitt. In Pennsylvania etwa beträgt der Zuwachs bei der Registrierung im Alter von 18 bis 29 Jahren seit Februar mehr als 16 Prozent, in Virginia und New York fast elf Prozent. Im November wird es darum gehen, ob die Republikaner ihre Mehrheiten im Kongress behalten oder die Demokraten sie ihnen abnehmen werden. Und viele Staaten, in denen nun offenbar die jungen Amerikaner besonders motiviert sind, stehen auf der Kippe. Sie könnten also mancherorts einen überproportionalen Einfluss auf das Ergebnis haben. So viel zu dem Eindruck, die Stimmen der Generation Parkland seien schon wieder verstummt.