US-Außenminister Mike Pompeo hat Nordkorea eine Politik nach vietnamesischem Vorbild nahegelegt. Machthaber Kim Jong Un könne den Wohlstand seines Landes durch bessere Beziehungen zu den USA mehren, sagte Pompeo bei einem Besuch in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. Das Wirtschaftswachstum Vietnams solle Nordkorea als Vorbild dienen. "Dieses Wunder kann auch Ihres sein", sagte Pompeo. 

Vietnam und die USA standen sich viele Jahre feindlich gegenüber. Seit 1995 sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern jedoch normalisiert. Dies solle Nordkorea als Beleg dafür dienen, dass Wohlstand und Partnerschaft mit den USA nach jahrzehntelangem Konflikt und Misstrauen möglich seien, sagte Pompeo weiter. "Ich habe eine Botschaft an den Vorsitzenden Kim Jong Un: Präsident Trump glaubt, dass Ihr Land diesen Pfad wiederholen kann", sagte er.

Pompeo hatte am Freitag und Samstag in Pjöngjang über eine mögliche atomare Abrüstung Nordkoreas verhandelt. Nordkorea hatte den USA anschließend vorgeworfen, einseitige und "gangsterartige" Forderungen zu stellen. Pompeo hingegen nannte die Gespräche produktiv. Die Sanktionen gälten aber weiter, bis Nordkorea Kims Versprechen zur Aufgabe aller Atomwaffen eingelöst habe. 

Verhandlungen werden "schwierig und herausfordernd"

Nordkorea habe verstanden, dass die Entnuklearisierung "vollständig überprüft" und "endgültig" sein müsse, so Pompeo. "Wenn diese Forderungen gangsterartig waren, dann ist die Welt ein Gangster." Er verwies auf die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, der Nordkorea mit Sanktionen belegt hat. 

In manchen Bereichen seien erhebliche Fortschritte erzielt worden, sagte Pompeo weiter. An anderer Stelle gebe es noch viel Arbeit. Die Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel würden "schwierig und herausfordernd" werden. Er wisse auch, dass Kritiker der Gespräche ein Interesse daran hätten, die Errungenschaften der Verhandlungen herunterzuspielen. 

Nordkoreas Machthaber hatte beim Treffen mit Trump am 12. Juni in Singapur seine Bereitschaft "zur kompletten Denuklearisierung" bekräftigt. Es ist jedoch unklar, wie und bis wann die Abrüstung erfolgen soll. Trump hatte Nordkorea seinerseits unter anderem "Sicherheitsgarantien" versprochen.

Die Regierung in Washington hat die Hoffnung geäußert, sich mit dem Regime in Pjöngjang auf einen detaillierten Zeitplan für die Abrüstung einigen zu können. In den USA kamen zuletzt aber Zweifel daran auf, dass Nordkorea eine tatsächliche Abrüstung anstrebt: Öffentlich gewordene Geheimdienstinformationen weisen darauf hin, dass Nordkorea weiter daran arbeitet, Uran anzureichen. Hoch angereichertes Uran kann zur Atomwaffenproduktion verwendet werden.