Zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela hat der ehemalige US-Präsident Barack Obama an die Ideale des südafrikanischen Freiheitskämpfers erinnert. Es sei Fakt, dass Rassismus immer noch existiere, sowohl in den USA als auch in Südafrika, sagte Obama in einer Rede vor 15.000 Menschen in Johannesburg. "Der Kampf um Gerechtigkeit ist nie vorbei."

Nelson Mandela war am 18. Juli 1918 geboren worden, 2013 starb er. Am Mittwoch wäre der Friedensnobelpreisträger 100 Jahre alt geworden. Obama und Mandela waren jeweils die ersten schwarzen Präsidenten ihres Landes.

Gerade in Zeiten eines weltweit zunehmenden Populismus müsse die Diskriminierung von Menschen anderer Hautfarbe entschiedener denn je bekämpft werden, forderte Obama. Er warnte vor einer "Politik des starken Mannes", die zunehmend auch in westlichen Ländern beliebt werde. Dort machten rechtsnationale Parteien Stimmung gegen Andersdenkende, die freien Medien würden attackiert. "Die Geschichte zeigt uns, wie einfach Menschen überzeugt werden können, sich gegen die zu wenden, die anders denken."

Die Leugnung von Fakten gefährde die Demokratie

Nelson Mandela habe die Welt und auch ihn inspiriert, sagte Obama. Er habe die "Hoffnung der Besitzlosen in der ganzen Welt auf ein besseres Leben dargestellt". Der Ex-Präsident forderte dazu auf, Mandelas Ideale wie Demokratie, Vielfalt und Toleranz zu verteidigen. Zugleich kritisierte er Politiker, die eine Politik der Angst, der Missgunst, der Einsparungen machten. Sie schämten sich nicht, bei einer Lüge erwischt zu werden – stattdessen erzählten sie eine weitere Lüge. Die Leugnung von Fakten sei gefährlich für die Demokratie.

Seinen Nachfolger als US-Präsident nannte Obama nicht beim Namen. Donald Trump wird in den USA immer wieder vorgeworfen, Unwahrheiten zu verbreiten und demokratische Normen und Institutionen zu ignorieren.

Obama zeigte in seiner Rede neben Kritik auch eine mögliche positive Zukunft auf. "Wir haben schon dunklere Zeiten überstanden", sagte er. Die Welt sei an einer Kreuzung angelangt, an der sie sich für eine Richtung entscheiden müsse. Dass sie den Weg nach Mandelas Vision wähle, halte er durchaus für möglich.

Barack Obama war im Januar 2017 aus seinem Präsidentenamt ausgeschieden. Seitdem trat er nur selten in der Öffentlichkeit auf. Sein früherer Redenschreiber und Berater Benjamin Rhodes nannte die Rede in Johannesburg die wichtigste, die Obama seit seiner Präsidentschaft gehalten habe.

Vor Obama hatte Cyril Ramaphosa, Südafrikas Präsident, bei der Veranstaltung gesprochen. Er sagte, Obama und Mandela seien beide Friedensnobelpreisträger und eine "Inspiration für alle, die versuchen, eine bessere Welt zu schaffen". Zu den Feierlichkeiten kamen zudem unter anderem Mandelas Witwe Graça Machel und der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Die Nelson Mandela Lecture findet in Südafrika jedes Jahr statt. Mandela war zu seinen Lebzeiten ein führender Aktivist im Widerstand gegen das südafrikanische Apartheidregime. Als politischer Häftling verbrachte er 27 Jahre im Gefängnis. 1994 wurde er der erste schwarze Präsident Südafrikas. Ein Jahr zuvor hatte er den Friedensnobelpreis erhalten. Weltweit gilt er als Vorbild im Kampf gegen Unterdrückung, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit.