Erstmals seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien führen Spitzenvertreter der Kurden in Damaskus Gespräche mit der dortigen Regierung von Präsident Baschar al-Assad. Dabei soll es um die Zukunft der von Kurden kontrollierten Gebiete im Land gehen. "Eine Delegation des Demokratischen Rates Syriens (SDC) stattet auf Einladung der Regierung Damaskus einen ersten offiziellen Besuch ab", teilte der Co-Vorsitzende Riad Darar mit.

Der SDC ist ein von den USA unterstütztes und von Kurden angeführtes Bündnis, sein militärischer Arm – die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) – kontrolliert weite Teile im Norden und Nordosten Syriens. Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte entsprechen diese Gebiete rund einem Viertel des Landes, in denen sich einige wichtige Ölfelder befinden. Dort haben die über Jahre hinweg verfolgten Kurden seit Beginn des Bürgerkrieges im Jahr 2011 eine De-facto-Autonomie mit autonomen Verwaltungsbehörden eingeführt.

Absage an UN-Verhandlungen in Genf

Darar sagte, in den Gesprächen werde es zunächst nur um Fragen rund um die Versorgung dieser Gebiete gehen. Er schloss aber nicht aus, dass auch Themen wie Politik und Sicherheit angesprochen würden. Die Delegation des SDC besteht aus mehreren hochrangigen politischen und militärischen Vertretern. Die Gespräche markieren laut Darar nicht den Beginn von Verhandlungen, sie könnten aber eine Grundlage dafür sein. Der SDC strebt nach eigenen Angaben eine Vereinbarung "für Nordsyrien" an, die ihnen ihre faktische Autonomie auch fomell zusichert. Eine Unabhängigkeit strebe man nicht an, betont das Bündnis. 

Den von den Vereinten Nationen vermittelten Friedensbemühungen in Genf, von denen die Kurden aus Rücksicht auf das Nato-Mitglied Türkei wiederholt ausgeschlossen wurden, räumte Darar keine Erfolgschancen ein: "Die Tür in Genf wird zufallen."

In dem seit mehr als sieben Jahren anhaltenden Bürgerkrieg gewinnen die Truppen von Präsident Baschar al-Assad zunehmend die Oberhand. Vor allem dank der Unterstützung Russlands hat die syrische Armee seit Jahresbeginn große Gebiete von den Rebellen zurückerobert. In einem Interview mit russischen Medien sagte Assad, Russlands Militärpräsenz in Syrien werde noch lange benötigt, um das Kräftegleichgewicht in der Region zu sichern. Beide Seiten unterzeichneten demnach eine Vereinbarung, die Russland die Nutzung des Militärstützpunkts Hmeimim in Syrien für mindestens 40 Jahre zusichert.

Im Mai hatte Assad gedroht, er wolle die Kurdengebiete "mit Gewalt befreien", sollten Verhandlungen mit den SDF keinen Erfolg haben. Die USA reagierten ihrerseits mit einer Warnung an die Regierung in Damaskus: Ein Angriff auf die US-Streitkräfte oder ihre Verbündeten sei "eine schlechte Entscheidung", hieß es aus dem US-Verteidigungsministerium.