Der frühere katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont hat eine neue Unabhängigkeitsbewegung gegründet, in der er Befürworter einer Abspaltung Kataloniens von Spanien vereinen möchte. "Wir sind stärker, wenn wir übergreifend und vereint handeln können", sagte er während der Veranstaltung zur Gründung der Bewegung Nationaler Ruf für die Republik (Crida Nacional per la República) in Barcelona.

Puigdemont war dem Festakt per Video aus Deutschland zugeschaltet, wo er derzeit lebt. Er forderte alle Interessenten auf, sich der Bewegung anzuschließen. "Das Volk hat dem Mandat (des Referendums) immer die Treue gehalten und trotz aller Schwierigkeiten nicht nachgegeben", sagte Puigdemont. "Wir müssen weiterkämpfen, uns der ungerechtfertigten Repression stellen und uns weiter in Richtung einer katalanischen Republik bewegen."

Neue Partei für einen "unabhängigen Staat in Form einer Republik"

Den Informationen nach soll im Herbst aus der Bewegung eine Partei entstehen, die einen "unabhängigen Staat in Form einer Republik" anstreben werde, heißt in Medienberichten. Bislang gibt es in Katalonien mindestens drei Parteien, die die Unabhängigkeit befürworten.

Vergangenes Jahr war der Streit um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens eskaliert. Puigdemont hatte ein Unabhängigkeitsreferendum organisiert. Die spanische Justiz hatte dies jedoch als illegal eingestuft. Nach der Abstimmung rief die Regionalregierung Ende Oktober einseitig Kataloniens Unabhängigkeit aus. Die Regierung in Madrid setzte daraufhin Puigdemont und sein Kabinett ab.

Die spanische Justiz beschuldigte Puigdemont seither der Rebellion, des Aufruhrs und der Veruntreuung öffentlicher Gelder. Er floh im Oktober nach Belgien und wurde im März auf Grundlage eines von Spanien erwirkten europäischen Haftbefehls auf der Durchreise in Schleswig-Holstein festgenommen. Er kam unter Auflagen frei.

Vor wenigen Tagen machte das Oberlandesgericht in Schleswig-Holstein den Weg für seine Auslieferung nach Spanien frei. Allerdings soll er nur wegen des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Gelder juristisch verfolgt werden können und nicht wegen Rebellion.