Donald Trump - Viel heiße Luft Donald Trump reist nach England. Dort erwarten ihn Demonstranten – und ein heliumgefülltes Abbild seiner selbst. © Foto: Isabel Infantes / AFP / Getty Images

Seit vier Tagen bauen sie in London einen engmaschigen, robusten Verteidigungszaun mitten durch den Regent's Park, um ein weites Gebiet rund um Winfield House abzusperren. "Ich frage mich einfach: Könnte man das Ganze nicht kleiner machen?", stöhnt einer von ihnen, der in der Kabine seines Lasters Mittagspause macht. Natürlich nicht: Donald Trump ist im Anflug, und bei Trump muss alles groß sein. Die Residenz des amerikanischen Botschafters, in der Trump übernachten wird, hat zwar nur den zweitgrößten Privatgarten im Land – was den Präsidenten ärgern dürfte –, aber immerhin ist er weitläufig genug, damit sein Helikopter hier landen kann.

Minimaler Kontakt mit dem gemeinen Volk: Das ist die Strategie, um Trumps ersten Besuch in Großbritannien so glatt wie möglich zu gestalten. Denn viele Menschen in Großbritannien sind entschlossen, ihre Meinung über den Gast aus Washington in aller Deutlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Für Freitag ist ein "Karneval des Widerstands" geplant, der in einer monumentalen Demonstration durchs Londoner Zentrum enden soll.

Es ist nicht die erste britische Demo gegen Trump. Bereits kurz nach seiner Wahl kam es in London zu einem großen Protest gegen Sexismus, an dem sich Tausende Frauen und Männer beteiligten. Mit dabei war Universitätsdozent Luke Cooper, einer der Organisatoren der Stop-Trump-Kampagne, die im Hinblick auf einen möglichen Besuch des US-Präsidenten gegründet wurde. "Viele verfolgten die Ereignisse in den USA mit Schrecken. Insbesondere das Einreiseverbot gegen eine Reihe muslimischer Länder löste riesige spontane Demonstrationen in ganz Großbritannien aus", sagt er. Der Blick über den Ärmelkanal war hingegen ernüchternd: "Als wir zuschauten, wie Trump verschiedene europäische Länder besuchte, darunter Frankreich und Italien, die beide eine starke Tradition des Protests haben, aber praktisch keine Demonstrationen stattfanden, waren wir entsetzt."

"Das hat die britische Öffentlichkeit richtig schockiert"

Für die Londoner kommt hinzu, dass es der Präsident anscheinend auf die multikulturelle Metropole und ihren Bürgermeister Sadiq Khan abgesehen hat. Nach dem Terroranschlag vom Juni 2017 twitterte Trump: "Mindestens 7 Tote und 48 Verwundete in Terroranschlag, und der Londoner Bürgermeister sagt, es gäbe 'Keinen Grund zur Sorge'!" Dabei hatte Khan – der erste muslimische Bürgermeister einer großen westlichen Stadt – lediglich auf die erhöhte Polizeipräsenz auf den Straßen hingewiesen und die Bevölkerung zu beruhigen versucht. Im Mai behauptete Trump dann, dass ein Londoner Spital aufgrund von Messerverletzungen wie ein Kriegsgebiet aussehe – was freilich völliger Unfug ist.

Am meisten Irritationen löste Trump im November 2017 aus, als er islamophobe Tweets der rechtsextremen britischen Gruppe Britain First verbreitete – und es danach lange Zeit ablehnte, sich zu entschuldigen. "Das hat die britische Öffentlichkeit richtig schockiert", sagt Luke Cooper. Der Vorfall war auch deswegen signifikant, weil die britische Rechte sich von der Präsidentschaft Trumps inspirieren lässt.

In den vergangenen Monaten haben sich verschiedene Gruppierungen vom rechten Rand zu einer losen Koalition zusammengeschlossen, die zunehmend sichtbar auf den britischen Straßen auftritt. Anfang Juni marschierten rund 15.000 Protestierende durch London – es war die größte rechtsextreme Demo seit Jahrzehnten. Die Gruppierungen umfassen islamophobe Straßenkampagnen wie die Democratic Football Lads' Alliance sowie die Überreste der rechtspopulistischen United Kingdom Independence Party (Ukip), die seit dem Brexit einen steilen Niedergang erlebt hat. Um der Irrelevanz zu entkommen, hat sie sich radikalisiert und sich an die Seite rechtsextremer Gruppen gestellt.

"Es sind nicht nur Linke, die Trump verabscheuen"

Auch pflegt die neue Bewegung enge Kontakte zur Rechten in Europa und in den USA. Zur Demo im Juni sandte etwa Steve Bannon, ehemaliger Berater von Trump, eine Solidaritätsbotschaft, und mehrere Vertreter der britischen Alt-Right trafen sich kürzlich mit der Ukip. Auf den Demos wird immer wieder "Trump! Trump! Trump!" skandiert. Bei vielen rechtskonservativen Briten ist der US-Präsident auch deshalb beliebt, weil er den EU-Austritt gelobt hat. Sie feiern die Affinität zwischen ihrem nationalistischen, xenophoben Impuls zum Brexit und dem mauerbauenden Präsidenten.

Doch dies bleibt eine kleine Minderheit der Briten. Laut Umfragen finden lediglich 11 Prozent der Bevölkerung, Trump sei ein guter Politiker, während ihn 67 Prozent für schlecht befinden. Vergangenes Jahr unterschrieben mehr als eine Million Briten eine Petition gegen einen Staatsbesuch. "Es sind nicht nur Linke, die Trump verabscheuen, sondern die große Mehrheit der Briten", sagt Luke Cooper. Die bunte Zusammensetzung der Stop-Trump-Kampagne zeigt, wie breit der Unmut über seinen Besuch ist: Mehrere Gewerkschaften, Frauenrechts-, LGBT- und Flüchtlingsorganisationen, Politiker, Menschenrechtsanwälte und Kulturschaffende haben ihre Unterstützung zugesagt. Vor einigen Wochen meinte auch Labour-Chef Jeremy Corbyn, es gäbe "reichlich Gründe", die Einladung zurückzuziehen.