Ecuador könnte laut einem Medienbericht den Auszug des WikiLeaks-Gründers Julian Assange aus seiner Botschaft in London einleiten und ihn den britischen Behörden übergeben. Präsident Lenín Moreno wolle in nächster Zeit eine entsprechende Vereinbarung mit Großbritannien aushandeln und Assange das Asyl entziehen, schrieb der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald auf der Website The Intercept.

Assange lebt seit gut sechs Jahren in der ecuadorianischen Botschaft. Er war dorthin geflüchtet, um einer Festnahme und Auslieferung nach Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Die schwedische Justiz stellte ihre Ermittlungen zwar im Mai vergangenen Jahres ein. Die britischen Behörden erklärten aber, dass sie ihn beim Verlassen der Botschaft trotzdem festnehmen würden – weil er durch die Flucht in die Botschaft das Gesetz verletzt habe.

Unklar, ob USA Auslieferung fordern würden

Assange hatte immer gesagt, er befürchte am Ende eine Auslieferung in die USA, wenn er die Botschaft verlassen sollte. Die US-Regierung macht ihn für die Veröffentlichung geheimer US-Dokumente aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak über die von ihm gegründete WikiLeaks-Plattform verantwortlich. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 veröffentlichte WikiLeaks zudem von mutmaßlich russischen Hackern gestohlene E-Mails der Demokratischen Partei und schadete damit Kandidatin Hillary Clinton.

US-Justizminister Jeff Sessions bekräftigte die Vorwürfe gegen Assange. Dennoch ist unklar, ob die USA eine Auslieferung des WikiLeaks-Gründers fordern würden. Medien haben sich in den USA große Freiheiten beim Veröffentlichen von geheimen Dokumenten erkämpft.

Greenwald bezog sich in seinem Bericht auf Kreise aus dem Umfeld des ecuadorianischen Außenministeriums und des Präsidialamtes. Der Intercept-Journalist war seinerzeit maßgeblich an der Aufarbeitung der Unterlagen des Informanten Edward Snowden beteiligt.

Es gab bereits Spannungen

Vor wenigen Tagen schrieb die Chefredakteurin des umstrittenen staatlichen russischen Auslandssenders Russia Today, Margarita Simonjan, auf Twitter, Assange könne ihren Quellen zufolge in den kommenden Wochen an Großbritannien übergeben werden. Auch die britische Sunday Times berichtete am vergangenen Wochenende von den Bemühungen der ecuadorianischen Regierung, dass Assange aus der Botschaft auszieht.

Zwischen Assange und den Behörden Ecuadors gab es bereits Spannungen. So verlor er den Zugang zum Internet, nachdem er die spanische Regierung im Streit mit der Provinz Katalonien kritisiert und damit gegen die Forderung seiner Gastgeber verstoßen hatte, sich mit politischen Botschaften zurückzuhalten.