Nach fast 20 Jahren Feindschaft haben sich die afrikanischen Staaten Äthiopien und Eritrea auf eine Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen geeinigt. Wie der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed mitteilte, sollen Botschaften eingerichtet und die Grenze geöffnet werden.

Beide Seiten wollen eine direkte Telefonverbindung schaffen. Außerdem soll Äthiopien Zugang zum Roten Meer bekommen – über einen Hafen in Eritrea. Die nationale Fluggesellschaft Ethiopian Airlines werde in Kürze wieder Flüge nach Eritrea anbieten.

Abiy und der eritreische Präsident Isayas Afewerki hatten sich am Sonntag in Eritreas Hauptstadt Asmara zu Friedensgesprächen getroffen. Bei ihrer Begrüßung in Asmara hatten sich die beiden Politiker umarmt – eine historische Geste. Auf Twitter schrieb Abiys Stabschef Fitsum Arega: "Unsere beiden Länder verbindet eine Geschichte wie keine andere. Wir können nun zwei Jahrzehnte des Misstrauens überwinden und uns in eine neue Richtung bewegen."  

30 Jahre Bürgerkrieg

Nach einem 30-jährigen Bürgerkrieg hatte sich Eritrea Anfang der Neunzigerjahre von Äthiopien abgespalten. Durch die eritreische Unabhängigkeitserklärung 1993 verlor Äthiopien den Zugang zum Roten Meer. Im Krieg um die umstrittenen Gebiete waren zwischen 1998 bis 2000 rund 80.000 Menschen getötet worden. Laut der Waffenstillstandsvereinbarung vom Dezember 2000 sollte der tausend Kilometer lange Grenzverlauf von einer internationalen Kommission festgelegt werden. Äthiopien weigerte sich aber, den Schiedsspruch von 2002 zu akzeptieren. Daraufhin kam es immer wieder zu Kämpfen, bei denen seitdem mehrere Hundert Menschen getötet wurden.

Das äthiopische Außenministerium bezeichnete die Gespräche als ersten Schritt, die Beziehungen zu Eritrea zu normalisieren. Schon bei seinem Amtsantritt im April hatte sich der äthiopische Regierungschef für Frieden mit Eritrea ausgesprochen. Im Juni hatte er angekündigt, sich vollständig aus den umstrittenen Grenzgebieten zurückzuziehen und den Grenzverlauf anzuerkennen, den eine UN-Kommission bereits 2002 gefordert hatte. Ende Juni hatten die Friedensverhandlungen begonnen.

Äthiopien ist nach Nigeria der bevölkerungsreichste Staat Afrikas und eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Nach jahrelangen Protesten hatte der reformorientierte Abiy das Land nach seinem Amtsantritt geöffnet. Er entließ Journalisten und Oppositionspolitiker aus dem Gefängnis, liberalisierte die Wirtschaft und gab Hunderte blockierte Websites frei. Eritrea gilt als eines der repressivsten Länder der Welt.