Um die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dazu zu bewegen, Aufnahmezentren für Bootsflüchtlinge zu errichten, hat die EU-Kommission eine Reihe finanzieller Anreize vorgeschlagen. Die EU sei bereit, "vollständige finanzielle Unterstützung" zu leisten und die Kosten für Infrastruktur und Betrieb der Zentren zu tragen, teilte die Kommission mit.

EU-Staaten, die ein Aufnahmezentrum aufbauen, könnten demnach bis zu 315 EU-Mitarbeiter anfordern: Übersetzer, Asylexpertinnen oder Grenzschützer, die dabei helfen sollen, zügig über das Anrecht der Migrantinnen und Migranten auf internationalen Schutz zu entscheiden. EU-Länder, die Flüchtlinge aus diesen Zentren aufnehmen, sollen dem Kommissionsvorschlag zufolge 6.000 Euro pro aufgenommener Person erhalten. Ein Test dieses Verfahrens solle möglichst bald gestartet werden – wo, sei allerdings noch unklar.

Beim EU-Gipfel Ende Juni hatten sich die 28 Mitgliedsstaaten darauf verständigt, auf freiwilliger Basis "kontrollierte Zentren" zur Aufnahme und Registrierung von Migranten zu errichten. Von dort aus sollten die Menschen auf andere EU-Staaten verteilt werden, sofern die Staaten zustimmten. Da aber mehrere Mittelmeerstaaten den Aufbau eines Aufnahmezentrums auf ihrem Gebiet abgelehnt hatten, existiert derzeit noch kein möglicher Standort für ein solches Zentrum.

Ein Grund für die Ankündigung der EU-Kommission dürften die Forderungen der italienischen Regierung sein: Italien verlangt, dass andere EU-Staaten nach Italien Geflüchtete aufnehmen. Seit mehreren Wochen ist es privaten Rettungsorganisationen nicht mehr erlaubt, mit Rettungsschiffen italienische Häfen anzulaufen.