In Deutschland ist die Zusammenarbeit zwischen der AKP und den Grauen Wölfen seit dem Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren Realität. So warb der Ableger der MHP in Deutschland (Almanya Türk Federasyon) 2017 für die von Erdoğan geforderte Verfassungsreform in der Türkei.

Beim Auftritt des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu auf dem Gelände der Residenz des Generalkonsulats in Hamburg im März 2017 zeigten zahlreiche Teilnehmer der Kundgebung den Gruß der Grauen Wölfe. Auch Çavuşoğlu formte laut Hamburger Abendblatt mit seiner rechten Hand den stilisierten Wolfskopf. Der Sprecher des Hamburger Verfassungsschutzes bestätigte der Zeitung damals, die Geste sei eindeutig zuzuordnen. Fraglich sei, ob sich Çavuşoğlu damit selbst zur rechtsex­tremen Klientel bekannt habe. Der Vorfall sei in jedem Fall zumindest eine "bedenkliche Referenzerweisung", so der Sprecher.

Insider befürchten, dass der ständige Druck der türkischen Regierung auf deutsche Politiker sukzessive Wirkung entfalten wird. "Wir haben die Grauen Wölfe im Blick. Es ist allerdings zu befürchten, dass unter dem politischen Druck der türkischen Seite auf die deutschen Behörden der Beobachtungsstatus aufgeweicht wird", sagt ein Mitarbeiter einer deutschen Sicherheitsbehörde, der anonym bleiben möchte.

Zwar beachten die rund 170 Vereine der Türk Federasyon in Deutschland das Legalitätsprinzip und rufen nicht zur gewaltsamen Umsetzung ihrer politischen Ziele auf. Doch ihre rechtsextreme Überlegenheitsideologie bleibt ein Problem für die innere Sicherheit und die Integration. Insbesondere durch ihre gut funktionierende Jugendarbeit schwören sie junge Türkischstämmige auf eine Überhöhung des "Türkentums" ein. Damit einher geht die Abwertung anderer ethnischer Gruppen wie Kurden, Armenier oder Juden.

Die Arbeit der Vereine bleibt nicht ohne Folgen: "Insbesondere über das Internet vernetzte Jugendliche propagieren ihren Rassismus teilweise offensiv und fordern zum Beispiel verbal zur Gewalt oder Gegenwehr auf", schreibt die Bundesregierung 2017 in einer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke.

Als Mehrheitsbeschaffer der AKP in der aktuellen türkischen Regierung steht den Grauen Wölfen der Zugang zu Ämtern und Positionen im Sicherheitsapparat und der Justiz offen, so Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland. "Die Gülen-Leute im türkischen Staatsapparat werden zunehmend durch Kader der Grauen Wölfe ersetzt", erwartet Toprak. Die Grauen Wölfe seien Erdoğans neuer strategischer Partner, der die Chance hat, Macht und Einfluss auszubauen, so wie seinerzeit die Bewegung des Islampredigers Fethullah Gülen. Toprak warnt: "Die Parteikader werden ihre wachsende Macht dazu nutzen, ein friedliches Miteinander verschiedener Ethnien in Deutschland zu verhindern."