Das Landeskriminalamt (LKA) Berlin hat "nahezu keine Zweifel" daran, dass der vietnamesische Geschäftsmann Trịnh Xuân Thanh nach seiner Entführung aus Deutschland in einem Flugzeug der slowakischen Regierung aus der EU gebracht wurde. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf einen Sachstandsbericht des LKA vom Juni.

In der Slowakei hatten sich zu diesem Zeitpunkt die slowakischen Minister mit ihren vietnamesischen Kollegen getroffen. Die Regierung in Bratislava hatte nicht ausgeschlossen, dass Trịnh Xuân Thanh ohne ihr Wissen mit dem Flugzeug, das sie der vietnamesischen Delegation bereitgestellt hatte, aus der EU geflogen wurde. Diese Information wurde bisher nicht bestätigt.

Trịnh Xuân Thanh war früher Vorstandschef eines staatlichen Baukonzerns in Vietnam und hatte in Deutschland politisches Asyl beantragt. Er und seine Freundin waren laut Bundesanwaltschaft in Berlin am 23. Juli 2017 in einen Transporter gezerrt, in die vietnamesische Botschaft und dann außer Landes gebracht worden. Wenige Tage später sagte Trịnh im vietnamesischen Staatsfernsehen, er sei freiwillig zurückgekehrt, um sich wegen seiner Vergehen zu stellen. Die Bundesanwaltschaft sprach von einem "staatlich organisierten Kidnapping" durch den vietnamesischen Geheimdienst.

In Vietnam wurde Trịnh Xuân Thanh anschließend wegen Korruption und Misswirtschaft in zwei Verfahren jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Fall belastet die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam. Erst vergangenen Mittwoch hat das Berliner Kammergericht einen vietnamesischen Tathelfer zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Das Gericht sah ihn schuldig der Beihilfe zur Freiheitsberaubung und geheimdienstlichen Agententätigkeit. Vietnamesinnen und Vietnamesen in Deutschland fühlten sich angesichts der Entführung verunsichert. Oppositionelle, Journalisten und Blogger berichteten ZEIT ONLINE von Angriffen und Morddrohungen aus Botschafterkreisen.