Ein Mitarbeiter des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron soll während einer Demonstration in Paris einen Menschen tätlich angegriffen haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie Vorermittlungen aufgenommen habe. Ein Video soll den Sicherheitsmann dabei zeigen, wie er einen jungen Mann schlägt. 

Nach Angaben der französischen Zeitung Le Monde hat der Mann während einer Demonstration zum 1. Mai im Rahmen eines Polizeieinsatzes einen jungen Mann angegriffen. Die Zeitung will den Mitarbeiters Macrons auf einem Video identifiziert haben. Er sei auch zu erkennen, als er eine junge Frau anfasse und abführe. Der Mitarbeiter habe einen Polizeihelm getragen, obwohl er kein Polizist sei. Er sei während des Präsidentenwahlkampfes 2017 für die Sicherheit Macrons verantwortlich gewesen, so die Zeitung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Vorwürfen der Gewalt einer Person mit öffentlichem Auftrag und der Amtsanmaßung.

Macron will sich nicht äußern

In Frankreich sorgt der Fall für großes Aufsehen. Ein Sprecher des Élysée-Palastes sprach von einem "nicht hinnehmbaren Verhalten". Der Mitarbeiter sei 15 Tage lang freigestellt worden, in dieser Zeit habe er kein Gehalt bekommen. Diese Art der Bestrafung sei die letzte Warnung vor einer möglichen Entlassung. Er sei auch nicht mehr für die Sicherheitsorganisation für die Reisen des Staatschefs verantwortlich. Nach der Suspendierung kehrte er allerdings in den Stab Macrons zurück und war auf einer Reihe von Reuters-Fotos neben dem Präsidenten zu sehen.

Der Mann habe lediglich die Erlaubnis gehabt, als Beobachter an der Demonstration teilzunehmen, sagte der Élysée-Sprecher. Er habe die erteilte Genehmigung aber "weit überschritten". Ein Reservist der Gendarmerie habe ihn begleitet. Auch dieser sei nach dem Einsatz bestraft worden. Zu den konkreten Vorfällen am 1. Mai äußerte sich der Sprecher nicht.

Macron selbst wollte die Vorwürfe nicht kommentieren. Angesprochen auf den Vorfall ließ er lediglich den Satz fallen: "Die Republik ist unveränderlich."

Opposition kritisiert Verhalten Macrons

Politische Gegner fordern Aufklärung vom Präsidenten. Sie werfen ihm vor, den Fall nicht gleich an die Behörden gegeben zu haben. Laurent Wauquiez, der Chef der konservativen Republikaner, nannte das Video "schockierend". Man habe das Gefühl, dass die Gefolgsleute des Staatschefs über dem Gesetz stünden. "Es ist klar, dass sich Emmanuel Macron äußern und diesen Sachverhalt gänzlich aufklären muss", sagte er dem Radiosender Europe 1.

Auch Sozialisten-Chef Olivier Faure sprach sich für Ermittlungen aus. "Ich möchte, dass diese Affäre aufgedeckt wird und dass richtige Strafen folgen", sagte er dem TV-Sender France 2. Ein Sprecher der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (Nationale Sammlungsbewegung, früher Front National) griff Macron an: "Langsam, aber sicher wird Frankreich zu einer Art Diktatur in den Händen eines allmächtigen, sich unreif verhaltenden Präsidenten."