Ein ehemaliger Mitarbeiter des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron muss sich für sein Verhalten bei einer Demonstration vor Gericht verantworten. Die französische Justiz hat vorläufige Anklage gegen den Sicherheitsbeamten und vier weitere Personen erhoben. Sie wirft dem Mann unter anderem Gewalt bei einer Versammlung und die unbefugte Benutzung amtlicher Kennzeichen vor. Auch ein Mitarbeiter der Macron-Partei La République en Marche und drei Polizisten sind angeklagt. 

Macron hat die Vorwürfe bisher nicht offiziell kommentiert. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf das Umfeld Macrons jedoch, der Präsident habe die Taten als "inakzeptabel" verurteilt. "Es hat keine Straflosigkeit gegeben und es wird sie nicht geben",  habe Macron gesagt.

Zeitung identifizierte mutmaßlichen Täter in Video

Die Affäre war nach Recherchen der französischen Zeitung Le Monde publik geworden. Demnach hatte der Sicherheitschef während einer Demonstration zum 1. Mai im Rahmen eines Polizeieinsatzes einen jungen Mann angegriffen. Die Zeitung will den Mitarbeiter Macrons in einem Video identifiziert haben. Er sei auch zu erkennen, als er eine junge Frau anfasste und abführte. Der Mitarbeiter habe einen Polizeihelm getragen, obwohl er kein Polizist sei. Er sei während des Präsidentenwahlkampfes 2017 für die Sicherheit Macrons verantwortlich gewesen, so die Zeitung.

Der Parteimitarbeiter gehe auf den von Le Monde veröffentlichten Videos an der Seite des Sicherheitsbeamten ebenfalls gewaltsam gegen Demonstranten vor. Ihm wird unter anderem Amtsmissbrauch vorgeworfen. Die drei ebenfalls angeklagten Polizisten sollen Videos des Vorfalls verbotenerweise an den Sicherheitsbeamten weitergegeben haben. Am Donnerstag waren gegen die fünf Ermittlungsverfahren eröffnet worden.

In Frankreich sorgt der Fall für Aufsehen

Ein Sprecher des Élysée-Palastes sprach von einem "nicht hinnehmbaren Verhalten". Der Sicherheitsbeamte habe lediglich die Erlaubnis gehabt, als Beobachter an der Demonstration teilzunehmen. Er habe die erteilte Genehmigung aber "weit überschritten". 

Der Mitarbeiter Macrons wurde mittlerweile entlassen. Zuvor war er 15 Tage lang ohne Bezüge freigestellt worden. Nach der Suspendierung soll er allerdings in den Stab Macrons zurückgekehrt und sogar auf einer Reihe von Reuters-Fotos neben dem Präsidenten zu sehen gewesen sein.

Der französische Innenminister Gérard Collomb muss sich am Montag im Parlament zu der Affäre äußern. Die Regierung soll bereits lange von dem Vorfall gewusst haben, unterließ es aber, die Staatsanwaltschaft zu unterrichten.

Opposition kritisiert Verhalten Macrons

Politische Gegner fordern Aufklärung vom Präsidenten. Sie werfen ihm Verschleppung vor. Laurent Wauquiez, der Chef der konservativen Republikaner, nannte das Video "schockierend". Man habe das Gefühl, dass die Gefolgsleute des Staatschefs über dem Gesetz stünden. "Es ist klar, dass sich Emmanuel Macron äußern und diesen Sachverhalt gänzlich aufklären muss", sagte er dem Radiosender Europe 1.