Israel hat den Transport von Kraftstoff in den Gazastreifen gestoppt. Bis Sonntag würden keine Treibstofflieferungen zugelassen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Außerdem werde die Gaza-Fischereizone von sechs auf drei Seemeilen verkürzt. Das heißt, dass palästinensische Fischer nun nicht weiter als umgerechnet knapp sechs Kilometer von der Küste des Gazastreifens hinausfahren dürfen.

Hintergrund seien die anhaltenden Attacken der radikalislamischen Hamas, hieß es weiter. Die Entscheidung sei in Absprache mit der Armee getroffen worden. Der einzige Grenzübergang Kerem Schalom bleibe lediglich für humanitäre Lieferungen wie Essen und Medizin geöffnet. Das Ministerium hatte bereits in der vergangenen Woche die meisten Lieferungen über Kerem Schalom nach Gaza untersagt.

Die Hamas, die den Gazastreifen seit 2008 kontrolliert, verurteilte die Entscheidung Israels als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Die Organisation drohte mit "gefährlichen Auswirkungen für die israelische Besatzung". Berichten zufolge kündigte außerdem Ägypten eine erneute Schließung des Grenzübergangs Rafah ab Dienstag an. Der Schritt erfolge aus technischen Gründen.

Fliegende Brandsätze nach Israel

Israels Maßnahme folgt den schwersten Auseinandersetzungen zwischen Israel und palästinensischen Kämpfern seit vier Jahren. Die israelische Luftwaffe hatte am Wochenende Dutzende Ziele im Gazastreifen bombardiert. Dabei starben nach palästinensischen Angaben zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren. Aus dem Palästinensergebiet wurden nach israelischen Angaben rund 200 Raketen und Granaten abgefeuert. Vier Menschen wurden verletzt.

Die Hamas hatte zwar einer Waffenruhe zugestimmt. Danach flogen aber weiter Drachen mit entzündlichem Material von Gazastreifen aus nach Israel und entfachten dort Feuer. Ballons und Drachen mit brennenden Stofffetzen haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Großfeuer im Süden Israels ausgelöst. Ein Sprecher der israelischen Feuerwehr sprach von 750 Feuern, die rund 2.600 Hektar Land verbrannt hätten. Den Schaden schätzte er auf mehrere Hunderttausend Euro.

Israel hat vor mehr als zehn Jahren eine Blockade über den Gazastreifen verhängt, die von Ägypten mitgetragen wird. Die Blockade soll die Hamas schwächen, hat aber auch zu wirtschaftlicher Not der rund zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in dem Küstengebiet geführt. Seit Langem kritisieren Menschenrechtsorganisationen die Lebensumstände der Menschen im Gazastreifen. Sie haben unter anderem nur rund sechs Stunden Strom pro Tag. Viele behelfen sich mit Generatoren, die mit Treibstoff betrieben werden.

Die Hamas organisierte nahezu wöchentlich Grenzdemonstrationen, um unter anderem gegen die israelisch-ägyptische Blockade zu protestieren. Israel wiederum wirft der Hamas vor, die Proteste als Deckmantel für Versuche zu nutzen, den Grenzzaun zu missachten und israelische Zivilisten und Soldaten anzugreifen. Die israelische Regierung argumentiert, dass die Seeblockade notwendig sei, um seine Bürger vor Waffenschmuggel zu schützen.