Israel hat nach Angaben des Militärs einen syrischen Kampfjet abgeschossen, der in seinen Luftraum eingedrungen sei. Man habe zwei Abwehrraketen auf den Kampfjet des Typs Suchoi gefeuert, teilte das Militär mit. Das Flugzeug sei zwei Kilometer weit in den israelischen Luftraum vorgedrungen und dann von den Raketen abgefangen worden. Syrien warf Israel dagegen vor, die Maschine über syrischem Territorium beschossen zu haben. Es ist der zweite derartige Zwischenfall an der Grenze in 30 Jahren.

In einer Mitteilung des israelischen Militärs hieß es, in den vergangenen Stunden habe es vermehrt Kämpfe in Syrien gegeben. Auch die Aktivität der syrischen Luftwaffe habe zugenommen. Israels Armee sei in erhöhter Alarmbereitschaft. 

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Abend: "Unser Flugabwehrsystem hat ein Kampfflugzeug der syrischen Luftwaffe identifiziert, das vom Stützpunkt T4 gestartet und in den Luftraum Israels eingedrungen war." Zu einem 1974 mit Syrien geschlossenen Waffenstillstandsabkommen gehört eine entmilitarisierte Zone an der Grenzlinie zu den israelisch besetzten Golanhöhen. Israel werde Verstöße dagegen nicht hinnehmen, sagte Netanjahu. "Wir werden ein Eindringen oder Vorstoßen in unser Gebiet, zu Lande oder in der Luft, nicht akzeptieren." Die Streitkräfte hätten dementsprechend gehandelt, sagte Netanjahu. 

Zunächst war unklar, ob der oder die Piloten des Jets noch am Leben waren. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, einer der Piloten sei Aktivisten zufolge gestorben. Das Schicksal eines zweiten Besatzungsmitglieds sei noch ungewiss. Die Angaben der in London ansässigen Stelle können nicht unabhängig überprüft werden, doch gilt sie als gut vernetzt in Syrien, ihre Angaben treffen häufig zu.

Die syrischen Regierungstruppen kämpfen im Süden des Landes gegen eine Splittergruppe der Terrormiliz "Islamischer Staat". Die Extremisten der Gruppierung Jaish Khaled Ibn al-Walid kontrollieren dort ein kleines Gebiet an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, am Dienstag habe es in der Region mehr als 100 Luftangriffe gegeben.

Syrien warf Israel nach dem Abschuss des Kampfjets vor, Terrororganisationen zu unterstützen. Der "israelische Feind" habe ein Flugzeug ins Visier genommen, das im Süden Syriens bewaffnete Terrorgruppen bekämpft habe, meldete die staatliche syrische Agentur Sana.

Anhänger des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hatten in den vergangenen Wochen den Süden Syriens fast vollständig zurückerobert. Insbesondere in der Region Daraa waren noch weite Teile unter Kontrolle von Rebellen, bevor die syrische Armee und die mit ihr verbündete russische Luftwaffe im Juni eine Offensive auf die Region starteten. Mittlerweile haben die meisten Rebellen nach Vereinbarungen mit der Regierung ihre schweren Waffen abgegeben.

Sorge vor Einschlag syrischer Raketen auf israelischem Gebiet

Israels Raketenabwehr war bereits am Montag aufgrund der Kämpfe in Syrien aktiviert worden. Die israelische Armee teilte mit, zwei Raketen des Abwehrsystems David's Sling (Schleuder Davids) seien abgefeuert worden. Es habe die Sorge bestanden, die syrischen Raketen könnten auf israelischem Gebiet einschlagen. Die Raketen seien letztlich auf syrischem Gebiet niedergegangen.

Auf den israelisch besetzten Golanhöhen und im Norden Israels heulten am Montag und Dienstag Warnsirenen. Anwohnerinnen und Anwohner berichteten von Explosionen.

Netanjahu hatte bereits am Montag mit einer russischen Delegation über die Lage in Syrien gesprochen. Israels Regierungschef habe bei dem Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und Generalstabschef Waleri Gerassimow darauf bestanden, dass längerfristig alle iranischen Truppen und ihre Verbündeten aus ganz Syrien abziehen müssten. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte später Medienberichten zufolge, Russland habe zugesagt, proiranische Kräfte in Syrien künftig etwa 100 Kilometer von der Grenzlinie zu Israel fernzuhalten.